Exzellenz-Initiative : Die HU fühlt sich „gedemütigt“

Kurz nach der Verkündung der Niederlage der marschierten zwei Dutzend Studenten durch die Humboldt-Uni und verkündeten das Ergebnis als Sieg. Mit dieser Sicht der Dinge waren sie allerdings HU-intern in der klaren Minderheit.

Tilmann Warnecke

Nach dem Aus im Elitewettbewerb beginnt die Humboldt-Universität, die Folgen der Entscheidung zu diskutieren. Für die HU sei die Niederlage eine „Demütigung“, heißt aus Professoren- und Studierendenkreisen. Das Ergebnis sei für die HU „verheerend“, sagten mehrere Professoren dem Tagesspiegel. Als besonders schmachvoll werde empfunden, dass die Humboldt-Universität „als einzige neben Bochum“ für nicht förderungswürdig gehalten wurde. „Der Schlag sitzt tief“, hieß es. „Von gedrückter Stimmung zu sprechen, ist eine Untertreibung“, sagte ein Studierendenvertreter.

Bei der Entscheidung der zweiten und vorerst letzten Runde am Freitag hatten sechs Universitäten den Elitestatus gewonnen. Aus Berlin wurde die Freie Universität gekürt. Die Humboldt-Universität schied dagegen als einzige Hochschule neben Bochum aus. Aus Professorenkreisen hieß es, das Ergebnis müsse jetzt intensiv an der HU diskutiert werden. Man müsse die bisher vertraulichen Hinweise der Gutachter sorgfältig analysieren und genau überlegen, „welche Punkte des Zukunftskonzepts der Humboldt-Universität tatsächlich umgesetzt werden“. Man dürfe nicht „sklavisch an den Plänen festhalten“, sagte auch ein Studierendenvertreter.

Markschies will an Zukunftskonzept festhalten

HU-Präsident Christoph Markschies hatte dagegen schon am Freitag angekündigt, trotz des Scheiterns das Zukunftskonzept weitgehend umsetzen zu wollen, mit dem die HU sich für den Elitestatus beworben hatte. Universitätsmitglieder zeigten sich am Wochenende verwundert über Markschies’ Äußerung, die Gutachter des Elitewettbewerbs hätten das Konzept der HU als „mutig“ gelobt. Das sei angesichts der Niederlage „wenig nachvollziehbar“. Die HU habe alle formalen Voraussetzungen für einen Sieg mitgebracht. Die Wettbewerbsregeln sehen vor, dass eine Uni in den anderen Wettbewerbsdisziplinen um Graduiertenschulen und Clustern mindestens einmal gewinnen muss, um den Elitestatus bekommen zu können. Diese Voraussetzungen habe die HU erfüllt. „Woran soll die Niederlage dann gelegen, wenn nicht am schlechten Konzept?“, hieß es. Man fordere vom Präsidenten „sinnvollerer Erklärungen für das Scheitern als bisher“, sagte ein Unimitglied – zumal große Teile des Konzepts von Markschies selbst stammten.

Für Diskussionen sorgt weiterhin auch das Schreiben, dass Markschies nach der Entscheidung auf der Webseite der HU veröffentlicht hat. „Der Brief kam gar nicht gut an“, hieß es gestern an der HU. Zumal viele Mitarbeiter aus dem Osten seien empört. Markschies hatte in einem Schreiben an die Mitglieder der Universität darauf verwiesen, dass die HU erst seit 17 Jahren zum „bundesrepublikanischen Wissenschaftssystem“ gehöre. „Die Universität hat zwar eine große alte Tradition, aber sie wurde in Wahrheit vor siebzehn Jahren vollkommen umgebaut und ist also zugleich eine der jüngsten Universitäten dieses Landes“, schrieb Markschies. In dieser Zeit sei sie „in staunenswertem Tempo“ in die Spitzengruppe der deutschen Universitäten vorgestoßen. Die RWTH Aachen dagegen – eine der jetzt zur Elite gekürten Unis – „besaß siebzehn Jahre nach ihrer Gründung noch nicht einmal das Promotionsrecht“, schrieb Markschies. An der Uni Heidelberg mussten „zwanzig Jahre nach ihrer Eröffnung die Mitglieder der Universität, die noch nicht an der Pest gestorben waren, die Stadt wegen der Seuche fluchtartig verlassen“, fuhr Markschies fort. Tilmann Warnecke

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