Exzellenzinitiative : Elite für immer

Der Elitewettbewerb für die Universitäten soll verstetigt werden - mit Förderzeiträumen von zehn Jahren, schlägt Edelgard Bulmahn (SPD) vor. Positiv evaluierte Unis könnten dauerhaft von Bund unterstützt werden.

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Edelgard Bulmahn, ehemalige Bundesforschungsministerin.
Edelgard Bulmahn, ehemalige Bundesforschungsministerin.Foto: dapd

„Think big“ lautet die Devise von Edelgard Bulmahn, wenn es um die Wissenschaft geht. Bund und Länder sollen zum Ende des Jahrzehnts einen „Hochschulzukunftspakt“ schließen, fordert die einstige Bundesbildungsministerin (SPD). Damit würde der Bund „dauerhaft in die Grundfinanzierung“ der Hochschulen einsteigen. Das Geld flösse pro Absolvent – also nach dem Prinzip „Geld folgt den Studierenden“. Die Länder sollten sich im Gegenzug verpflichten, die Grundfinanzierung ihrerseits auszubauen. Die Exzellenzinitiative, die Bulmahn selbst im Jahr 2004 anschob, soll „weiter entwickelt“ werden: Die Zyklen für die Förderung sollen auf zehn Jahre verdoppelt werden, wer die Evaluation besteht, soll im Grunde „dauerhaft“ vom Bund unterstützt werden.

Bulmahn testete die Resonanz auf ihre Vorschläge am Freitag in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Dort diskutierten Experten über die „Strukturen des Wissenschaftssystems nach 2017“. Denn dann laufen die großen Programme aus, über die Bund und Länder viele Jahre lang Milliarden in die Wissenschaft gepumpt haben – und mit denen sie die Wissenschaftslandschaft strategisch gestaltet haben. Nun sind neue Ideen gefragt.

Im Moment kreisen sie vor allem um die „Helmholtzisierung“ der Uni-Landschaft – also um bundesfinanzierte Fusionen zwischen Helmholtz-Instituten mit Unis nach dem Muster des KIT in Karlsruhe – sowie um regionale Verbünde, beschrieb Stephan Leibfried, Sozialwissenschaftler in Bremen, die Lage. Bundesunis seien offenbar „aus der Mode“ gekommen. Leibfried selbst liegt nah bei Bulmahn. Er favorisiert eine „Exzellenzinitiative 3.0“, mit „rationaleren und durchsichtigeren Gutachten“ und einer „Zwischenprüfung“ nach zehn Jahren.

Fusionen mit Helmholtz-Einrichtungen werden an den Unis skeptisch beurteilt. Dieter Bitter-Suermann, Präsident des Medizinischen Fakultätentages, sagte, die Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung seien fast an der Dominanz der Helmholtz-Gemeinschaft gegenüber den Universitäten gescheitert. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Uni Göttingen, sagte: „Man braucht keine gemeinsame Institution, um zu kooperieren.“

Karl Max Einhäupl, Chef der Charité, erklärte, es könne nicht das Ziel von Kooperationen oder Fusionen sein, „die besten Leute aus den Unis“ in außeruniversitäre Instituten oder gemeinsame „Töchter“ „einzuspeisen oder fast outzusourcen“. Aber: „Wenn Sie sichtbarer werden wollen, müssen sie fusionieren.“ Bei der geplanten Fusion der Charité-Forschung mit dem Max-Delbrück-Centrum seien die schwierigen rechtlichen Probleme weitgehend gelöst – Risiken gebe es aber: „Aber die gibt es auch in Karlsruhe.“

„Sichtbarkeit“ schaffen, nur um in internationalen Rankings zu reüssieren, hält Wilhelm Krull, Generalsekretär der VW-Stiftung, für den falschen Weg. Vielmehr sollte die deutsche Wissenschaft strategische Allianzen „im globalen Rahmen“ anstreben und dabei auch die aktuellen Existenzsorgen der britischen und amerikanischen Unis ausnutzen, „um Leute rüberzuziehen“.

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