Exzellenzinitiative : Wer wird Eliteuni?

Die Geistes- und Sozialwissenschaften haben es im Elitewettbewerb der Universitäten weiterhin schwer. Die Humboldt-Uni braucht auch den Willen der Politik, um sich im Finale durchzusetzen.

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Vielleicht ein Ort für Elite: Die Humboldt-Universität in Berlin, rechts im Bild: Alexander von Humboldt.
Vielleicht ein Ort für Elite: Die Humboldt-Universität in Berlin, rechts im Bild: Alexander von Humboldt.Foto: dpa

Berlins Uni-Präsidenten kritisieren, dass Anträge aus den Geistes- und den Sozialwissenschaften weit weniger Chancen im Elitewettbewerb haben als solche aus den Natur- und Technikwissenschaften. Unter den ins Finale gekommenen 27 Clustern (großen interdisziplinären Forschungsvorhaben) seien nur fünf aus den Geistes- und den Sozialwissenschaften, sagte FU-Präsident Peter-André Alt: „Ich bezweifle, ob das ein gutes Signal für den Wissenschaftsstandort Deutschland ist.“ Alt sprach am Donnerstag bei einer Pressekonferenz der Uni-Präsidenten und Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner.

Von 25 Anträgen für Graduiertenschulen, die am Mittwoch das Finale erreichten, sind neun aus den Kulturwissenschaften. Allerdings hatten die Kulturwissenschaftler nicht weniger Anträge eingereicht als die Natur- und Technikwissenschaftler, wie auch DFG-Präsident Matthias Kleiner am Mittwoch im Bonn gesagt hatte. HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz sagte, er teile die Kritik an der Unterrepräsentation der Geistes- und Kulturwissenschaften „ausdrücklich“. Es müsse darüber gesprochen werden, ob die Kriterien des Wettbewerbs nicht nach wie vor an den Natur- und Technikwissenschaften ausgerichtet seien. Wissenschaftssenator Zöllner sagte, trotz der Berliner Erfolge in den Kulturwissenschaften mache er sich „schon Sorgen“. Womöglich müsse sich die Politik „etwas Zusätzliches“ für diese Disziplinen einfallen lassen.

Im Grunde ist Zöllner mit der jüngsten Ausbeute für Berlin zufrieden. Fünf Graduiertenschulen und zwei Cluster sind noch im Rennen, die HU kann im nächsten Jahr „Exzellenzuni“ werden. Allerdings sei das Abschneiden der TU ein „Wermutstropfen“.

TU-Präsident Jörg Steinbach sagte, an der TU habe zuerst ein „schockartiger Enttäuschungszustand“ geherrscht. Schließlich hätten im Vorfeld externe Gutachter die Anträge der TU für ihre Qualität gelobt. Die TU werde nun versuchen, ihre Projekte in Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereichen zu verwirklichen. Vielleicht würden im Elitewettbewerb Drittmittel der DFG stärker gewichtet als die von der EU oder vom Bund, mutmaßte Steinbach. Vielleicht habe die TU mit ihren Anträgen auch thematisch nicht unter die erfolgreichen Anträge gepasst.

FU-Präsident Alt sagte, die FU sei „zufrieden“ mit den Ergebnissen. Kaum eine der bereits existierenden Exzellenzunis habe mehr Anträge ins Finale gebracht. Insgesamt sei es kein Wunder, dass die Exzellenzunis nun, im schon dritten Durchgang des Wettbewerbs, nicht mehr so viele erfolgreiche Anträge stellen könnten: „Ihre intellektuellen Ressourcen sind auf die schon laufenden Projekte konzentriert“, sagte Alt.

Annette Grüters-Kieslich, die Dekanin der Charité, sieht die medizinische Fakultät Berlins „auf der Überholspur“. In den letzten Jahren habe das Bild der Charité oft nicht dem entsprochen, „was wir sind“. Jetzt zeige sich auch, wie bedeutend die Größe der Charité für Forschungserfolge sei: „Wir haben kritische Masse.“ Die Charité brachte ein Cluster und eine Graduiertenschule ins Finale.

Die CDU im Abgeordnetenhaus griff Wissenschaftssenator Zöllner an. Es mute „geradezu skurril“ an, wenn er sein „Problemkind Einstein-Stiftung“ zu einem Erfolgsfaktor machen wolle, erklärte der wissenschaftspolitische Sprecher Nicolas Zimmer. Zöllner hatte erklärt, er habe den Hochschulen aus seinem Masterplan und aus der Einstein-Stiftung 16 Millionen Euro zur Anschubfinanzierung gewährt. Zimmer teilte mit, man könne von Glück reden, dass die „autonomiefeindliche“ Hochschulnovelle noch nicht beschlossen sei. Dieses beeinflusse die Chancen beim Kampf um den Elitestatus „sicherlich negativ“.

Wie stehen die Chancen der HU, im nächsten Jahr endlich unter die „Eliteunis“ zu kommen? Werden Gutachter und Politiker überhaupt zulassen, dass Berlin zwei Eliteunis hat? Schon diese oft gestellte Frage, die vermutlich auch die FU und die HU beschäftigt, verweist darauf, dass Leistung allein im Exzellenzwettbewerb nicht hilft. Welche Uni siegt, hängt auch vom politischen Gewicht eines Bundeslandes und von den strategischen Erwägungen der Gutachter ab.

Die HU hat manches auf ihrer Seite. Ihre große Tradition, ihren Standort im Herzen der Hauptstadt, ihre starke Forschung. Bei den beiden letzten Durchgängen scheiterte die HU jedoch an ihren schwachen Anträgen.

Schwache Anträge schließen einen Sieg aber nicht grundsätzlich aus, wie die letzte Runde des Wettbewerbs im Jahr 2007 zeigte. Auch die Pläne der Uni Göttingen waren bei den wissenschaftlichen Gutachtern damals durchgefallen. Doch anders als die HU wurde Göttingen durch einen Kuhhandel zwischen den Bundesländern dennoch „Elite“, einfach, weil Niedersachsen darauf drang.

Die FU war zwar anders als die HU und anders als Göttingen von den Wissenschaftlern als förderungswürdig eingestuft worden. Doch als die Politiker im Bewilligungsausschuss zur Entscheidung zusammen kamen, sah es zunächst so aus, als sei für die FU eigentlich kein Geld mehr im Topf. Die FU profitierte aber schließlich von dem Einsatz und dem Verhandlungsgeschick des Berliner Wissenschaftssenators Jürgen Zöllner und wurde doch noch „Exzellenzuni“.

Die Beispiele zeigen, dass es in dem Wettbewerb nicht allein um Leistung geht. Das liegt nicht nur an der Mitwirkung der Politiker. Im ersten Durchgang des Wettbewerbs, im Jahr 2006, fällten die Wissenschaftler ihre „strategische“ Entscheidung ganz ohne die Politiker und drückten mehrfach bei schwächeren Anträgen ein Auge zu.

Da die Kriterien des Wettbewerbs immer anders gewichtet werden können, lassen sich am Ende viele Entscheidungen öffentlich erklären und rechtfertigen. Man muss sie nur wollen.

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