Exzellenzwettbewerb : Wie Berlin Elite wird

Sind Universitäten in einem armen Bundesland wie Berlin im Elitewettbewerb benachteiligt? Selbst wenn Humboldt- und Freie Universität die Endrunde der Exzellenzinitiative erreicht haben: Diese Frage bleibt für sie weiterhin ein Thema.

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 Denn nun, da es ernst wird, werden beide unter Beweis stellen müssen, dass sie als etwaige Eliteunis in der Lage wären, ihr mit Elitegeldern gefördertes Zukunftskonzept auch weiter zu verfolgen, wenn die Mittel nach fünf Jahren auslaufen.

Das war der Freien Universität, die als einzige Berliner Hochschule bereits vor einem Jahr die Endrunde erreicht hatte, nicht gelungen. Immer wieder hatte der Wissenschaftsrat in internen Gutachten auf „besondere Risiken in der Unsicherheit langfristiger finanzieller Unterstützung durch das Land“ hingewiesen und auch moniert, dass sich die Zusagen des Landes für die Zukunft sich lediglich „auf eine nominelle Konstanz der Grundfinanzierung der FU beschränken“.

Doch auch in dieser Wettbewerbsrunde wird die finanzielle Nachhaltigkeit eine Rolle spielen. Der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Wedig von Heyden, sagte dem Tagesspiegel, Nachhaltigkeit sei bereits in der Vereinbarung der Bund-Länder-Kommission über den Elitewettbewerb ein wichtiges Kriterium gewesen. In den bisherigen Anträgen und Begehungen sei man allerdings unterschiedlich darauf eingegangen. Die Universitäten stünden auch hier in Konkurrenz zueinander. Konkreter will von Heyden nicht werden, bevor Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner keine Antwort auf seinen Brief hat. Zöllner hatte sich beim Wissenschaftsrat über Vorbehalte gegenüber Berlin beschwert: „Es kann nicht sein, dass Hochschulen, deren Sitzland bereit ist, in der Zukunft zusätzliches Geld aufzubringen, im Wettbewerb bevorzugt werden.“

Für die Berliner Universitäten dürfte in den kommenden Monaten vor allem entscheidend sein, welche Garantien die Gutachter in Sachen Nachhaltigkeit verlangen. Wenn zwingend finanzielle Zusagen des Landes Berlin über den Förderzeitraum hinaus erwartet werden, wie sie Bayern und Baden-Württemberg gegeben haben, kann es schwierig werden. Noch gibt es nur einen Silberstreifen am Horizont: „Das Land Berlin wird alle bei der Entscheidungsfindung denkbar relevanten Finanzzusagen selbstverständlich leisten“, erklärt die Senatsverwaltung für Wissenschaft auf Anfrage.

In der Bund-Länder-Vereinbarung werden finanzielle Zusagen der Sitzländer von Eliteunis über den Förderzeitraum hinaus aber auch gar nicht verlangt, dürften also auch bei der Auswahl der Eliteunis nicht ausschlaggebend sein – selbst wenn der Wissenschaftsrat „Nachhaltigkeit“ in der Vergangenheit offenbar so interpretiert hat. Im Grunde müsste es deshalb genügen, wenn die Humboldt-Universität und die Freie Universität die Gutachter davon überzeugen, dass sie selbst die Eliteprojekte auch ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung des Landes fortsetzen könnten – etwa durch einschneidende Umschichtungen innerhalb der Hochschule. Die Gutachter müssten dann beurteilen, ob sie das Szenario der Uni für realistisch halten. Die FU und die HU müssen bis 2009 je rund 20 Millionen Euro sparen.

Dem Vorschlag von FU-Präsident Dieter Lenzen, FU und HU sollten sich mit einem gemeinsamen Antrag um den Elitestatus bewerben, erteilte von Heyden eine Absage: „Wir können nicht mitten im Verfahren die Regeln ändern.“ In der Ausschreibung des Wettbewerbs sei ausdrücklich vorgesehen, dass gemeinsame Bewerbungen für die dritte Förderlinie nicht zulässig sind. Der Ausschreibung nach sind Kooperationen für einzelne Komponenten des Konzeptes mit anderen Universitäten möglich. Allerdings heißt es in dem Text: „Die antragsstellende Universität muss jedoch eindeutig als hauptverantwortlich erkennbar sein.“

Von Heyden weist auch darauf hin, dass die Gemeinsame Kommission, die am vergangenen Freitag beide Hochschulen in die Endrunde vorließ, ihre Entscheidung auf der Basis je eigener Antragsskizzen von FU und HU getroffen habe. „Auf dieser Basis werden die Universitäten aufgefordert, ihre Anträge auszuformulieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass akzeptiert wird, wenn sie nun etwas grundlegend Anderes einreichen“, sagte von Heyden. Gleichwohl sei es sehr zu begrüßen, wenn die Berliner Hochschulen generell eng kooperierten. Besonders biete sich das in den beiden anderen Förderlinien an, also bei den Graduiertenschulen und den Exzellenzclustern.

FU-Präsident Dieter Lenzen hatte am Wochenende vorgeschlagen, FU und HU sollten sich jetzt mit einem gemeinsamen Konzept für den Elitestatus bewerben. Auch die Technische Universität, die nicht mehr im Rennen ist, könne mit ins Boot genommen werden. HU-Präsident Christoph Markschies und TU-Chef Kurt Kutzler hatten sich dem Vorschlag gegenüber offen gezeigt. Lenzen hatten allerdings darauf hingewiesen, es müsse zunächst „politisch sondiert“ werden, ob die Wettbewerbsjury einen gemeinsamen Antrag überhaupt akzeptieren würde.

Günter Stock, Akademie-Präsident und Vorsitzender des Kuratoriums der Humboldt-Universität, ist skeptisch. Die Frage sei, ob man das Verfahren im Elitewettbewerb im laufenden Verfahren so ändern könne, dass es ein wirkliches Zusammengehen der drei Universitäten beim Zukunftskonzept geben könne. Eine Fusion der Unis unter dem Dach einer „University of Berlin“ lehnt Stock weiterhin ab. „Eine Stadt wie Berlin verträgt mehrere Universitäten.“ Aber sicherlich könnten die drei Unis „in einem größeren strategischen Zusammenhang noch weiterführende Kooperationsvereinbarungen“ treffen. akü, -ry

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