Fahrt zum Mond : Wie Europa das All erobert

Die zweitägige Internationale Weltraumkonferenz erörtert auch deutsche Mondpläne. Nicht umsonst würde Deutschland so viel zu den Esa-Projekten beisteuern.

Paul Janositz

„Wir sind erfolgreiche Eroberer“, sagt Jean-Jacques Dordain. Seine Sicht beschränkt sich nicht auf die Erde. Der Generaldirektor der europäischen Weltraumagentur Esa spricht vielmehr seiner Aufgabe entsprechend vom Kosmos. „Wir erkunden das Sonnensystem mit Sonden wie Mars- oder Venus-Express, wir haben die Sonde Huygens auf dem Saturn-Mond Titan gelenkt, die Sonde Rosetta fliegt sieben Milliarden Kilometer weit zum Kometen Churyumov-Gerasimenko.“

Bei der Pressekonferenz anlässlich der zweitägigen Internationalen Weltraumkonferenz in Berlin wird der temperamentvolle Franzose nicht müde, die Erfolge seiner Organisation herauszustellen. Auch die Erde habe man im Blick, betont er, etwa mit dem Umweltsatelliten Envisat, der jeden Tag Unmengen von Daten an Wissenschaftler in mehr als 70 Ländern sende. Zudem komme die für den Weltraum entwickelte Technologie dem Bürger zugute, etwa bei Telekommunikation, Navigation oder Wetterbeobachtung. So ist seiner Meinung nach die Weltraumfahrt das Geld wert, das die 17 Esa-Mitgliedsstaaten aufbringen.

Das sieht sein Podiumskollege Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), genauso. Nicht umsonst trage Deutschland viel zu den Esa-Projekten bei. Chemische, biologische oder medizinische Weltraumexperimente, die exzellente hochauflösende Stereokamera auf Mars-Express sowie innovative Antriebstechnik oder Robotik sind zu nennen. Einiges wird sich in Columbus wiederfinden, dem europäischen Weltraumlabor, das noch bis Jahresende an die Internationale Raumstation ISS angekoppelt werden soll.

Doch Deutschland möchte im All noch mehr Flagge zeigen. Jedenfalls sieht dies das DLR-Projekt Leo (Lunar Exploration Orbiter) vor, demzufolge eine deutsche Sonde den Erdtrabanten besuchen und etwa die Oberfläche kartieren oder das Schwerefeld bestimmen soll. Damit könnten deutsche Paradedisziplinen – Stereokamera- und Radartechnologie sowie spektrale Messverfahren – herausgestellt werden. Später wäre an die Landung eines Analyseroboters oder gar eines Mondlabors zu denken.

Alles hängt nun davon ab, ob die Politik zustimmt und genügend Geld zur Verfügung stellt. Die Kosten für Planung und Bau sowie den Betrieb beziffert Wörner mit 300 bis 350 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre. Die Entscheidung soll nächstes Jahr fallen.

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