Wissen : Falsche Federn

Gelegentlich muss man den Eindruck gewinnen, Leute machten sich einen Sport, Dissertationen von Prominenten zu filzen, um die Träger des Doktortitels des Plagiats zu überführen. Das mag auf solche, die unter Pseudonym agieren, zutreffen. Für Debora Weber-Wulff, Professorin an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, gilt das nicht. Sie kämpft mit offenem Visier. Dabei hat sie nicht einzelne Personen im Blick, sondern das System, in dem sich Doktoranden mit „falschen Federn“ schmücken. So ist ihr neues Buch betitelt, das jetzt in englischer Sprache („False Feathers“) vorliegt.

Der Autorin geht es nicht darum, den Plagiatsjägern technische Hilfestellung zu geben, obwohl sie das sehr wohl kann. Indem sie schildert, wie man Plagiate nachweist, zeigt sie auch die Grenzen solcher Recherchemethoden auf.

Die Autorin will dazu beizutragen, dass Plagiate unterbleiben, letztlich, damit nicht das Ansehen der Wissenschaft leidet. Das kann man erreichen, indem potenziellen Sündern verdeutlicht wird, dass es gar nicht so schwer ist, eventuelle Machenschaften zu entdecken – mit Konsequenzen für die Sünder. Dafür werden auch die bekannten deutschen Beispiele vorgeführt. Zum anderen, und das ist das Hauptanliegen der Autorin, will sie vermitteln, wie Plagiate durch sauberes Arbeiten vermieden werden. Insofern ist ihr Buch zugleich eine Anleitung zum korrekten wissenschaftlichen Arbeiten.

Aus aktuellem Anlass wünschte man sich, nicht nur Doktoranden, sondern auch Betreuer von Dissertationen hätten stets das beherzigt, was allgemein gültig sein sollte. Bei der rechtlichen Beurteilung, ob nämlich ein Titel aberkannt werden kann, weil bei Erstellung der Doktorarbeit von dem Doktoranden/der Doktorandin objektiv Fehler gemacht worden sind, bleibt die Rolle des Doktorvaters- bzw. der -mutter regelmäßig unerwähnt. Gutachter sind im Zweifel zu gutgläubig gewesen – oder zu nachlässig, die Arbeit ordentlich durchzusehen. So können denn Plagiate „durchgerutscht“ sein, unabhängig davon, ob Kandidaten täuschen wollten oder nur nachlässig gewesen sind.

Weber-Wulff kämpft dafür, dass Plagiate in der Zukunft unterbleiben. Insofern wünscht man dem Werk eine große Verbreitung – in deutscher Sprache würde es allerdings hierzulande mehr Leser erreichen. Umso mehr ist es geboten, darauf hinzuweisen und es zur Orientierung zu empfehlen.George Turner

Der Autor ist ehemaliger Berliner Wissenschaftssenator und Kolumnist des Tagesspiegels.

Debora Weber- Wulff:

False Feathers – A Perspective on Academic Plagiarism. Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2014. 200 Seiten, 34 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar