• Fast eine Million Euro für alte Biografien Geisteswissenschaften der FU erhalten Großauftrag

Wissen : Fast eine Million Euro für alte Biografien Geisteswissenschaften der FU erhalten Großauftrag

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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert bundesweit 14 Forschergruppen aus verschiedenen Wissensgebieten, um die Zusammenarbeit herausragender Wissenschaftler zu verbessern. An der Freien Universität finanziert die DFG ein solches Projekt: Eine Gruppe um die Geisteswissenschaftlerin Claudia Ulbrich untersucht Selbstzeugnisse wie Tagebücher, Briefe, Reiseberichte oder Autobiographien. Lange hat man Selbstzeugnisse für eine typisch europäische Form des Schreibens gehalten. Die Gruppe „Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive“ wählt einen neuen Ansatz: Sie will die Selbstzeugnisse aus verschiedenen Kulturen, Ländern und Zeiten als Formen kultureller und sozialer Praxis erforschen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden.

Selbstzeugnisse als Fundgrube

An der Forschergruppe sind Historiker, Japanologen und Turkologen beschäftigt. Ihr Ziel ist es, das Schreiben über das eigene Leben vom 16. bis zum 20. Jahrhundert zu untersuchen und die in den Texten formulierten Personenkonzepte herauszustellen. Dies geschieht am Beispiel von Themen wie „Gastfreundschaft in Selbstzeugnissen des 16. Jahrhunderts“, „Selbstzeugnisse im Dreißigjährigen Krieg“, „Selbstzeugnisse eines tatarischen Weltreisenden und Intellektuellen im 20. Jahrhundert“. Die meisten der Selbstzeugnisse aus dem 15. und 16. Jahrhundert wurden von Gelehrten verfasst. Sie hatten in der Epoche des Humanismus, der Renaissance und Reformation großen Einfluss. Sie waren beteiligt an Entwicklungen, die Historiker als Beginn einer neuen Zeit beschreiben, denn die Gelehrten gaben Impulse für den Aufbau moderner Staatswesen, Bürokratien und Rechtssysteme, für das Bildungswesen und die Anfänge moderner Wissenschaft.

Gelehrte und Geldgeber

Damals war Patronage in allen Feldern der Gesellschaft von Bedeutung. Die Patrone förderten vor allem Gelehrte. Die begaben sich damit in enge Abhängigkeit. Im 15. und 16. Jahrhundert schien das aber in keiner Weise ehrenrührig zu sein. Gerade männlichen Autobiographen scheint die Abhängigkeit von anderen Männern am Herzen gelegen zu haben. Die DFG stellt den insgesamt 14 Forschergruppen für drei Jahre über zwanzig Millionen Euro bereit. FvA

Nähere Auskünfte erteilt Claudia Ulbrich, Telefon: 838 54380, per E-Mail: ulbrich@zedat.fu-berlin.de

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