Feierlichkeiten : England bereitet sich auf das Darwin-Jahr vor

"Würmer haben in der Geschichte eine viel wichtigere Rolle gespielt, als die meisten Menschen annehmen", schrieb Charles Darwin einst. Trotzdem werden sie im Jahr des 200. Geburtstages des Forschers eine untergeordnete Rolle spielen.

In einem viereckigen Erdloch warten schon die Regenwürmer auf das große Jahr. Sie warten, dass sich jemand zu ihnen niederbeugt und sich die großen Fragen des Lebens stellt: Wie wurde der Mensch, was er ist? Was ist Evolution? Denn die Regenwürmer liegen nicht irgendwo. Sie liegen im Garten des ehemaligen Hauses von Charles Darwin.

Hier in Downe, südlich von London, lebte der Wissenschaftler Jahrzehnte lang und studierte Tierarten jeglicher Art. Und hier in Downe bereitet man sich mit extra freigelegten Erdlöchern genauso wie überall in Darwins Heimat Großbritannien auf den 200. Geburtstag des weltberühmten Evolutionsforschers (1809-1882) im kommenden Februar vor.

Neue Denkmäler

Die Post bringt neue Briefmarken heraus, Denkmäler werden von Cambridge bis zur Geburtsstadt Shrewsbury neu errichtet, Bücher überfluten den Markt. Lesungen, Festivals und Spaziergänge sind allerorts geplant. Niemand will den Zug verpassen. Man erfährt, dass im Londoner Zoo der erste Menschenaffe, den Darwin sah (das Orang-Utan-Weibchen "Jenny"), lebte. Und selbst die Käfer im Park von Shrewsbury erlangen neuen Ruhm, da sie der kleine Darwin besonders gern sammelte.

In Downe wird das Haus der Darwins bis Februar aufwendig restauriert. Hier soll neben seinem Schaffen vor allem der Mensch Darwin gezeigt werden: Darwin - der Vater von zehn Kindern, Darwin- der Ehemann, Darwin - der Hundebesitzer, Darwin, der Mann, der unter Seekrankheit litt.

Downe House als Weltkulturerbe?

Natürlich kommt auch die Erklärung der Evolution nicht zu kurz, und so ist allerlei ausgestopftes und getrocknetes Getier zu bewundern. Im Zuge des Darwin-Jahres hofft das Downe House auch, bald als Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden.

In Shrewsbury in Westengland ist man noch nicht soweit: Dort ist das Haus, in dem der Biologe am 12. Februar 1809 zur Welt kam, nicht zu besichtigen - eine Behörde ist darin untergebracht. Doch daran soll gearbeitet werden, schließlich will man sich auch hier mehr mit dem berühmten Sohn der Stadt schmücken. "Man brauchte wohl den 200. Geburtstag, um sich des Erbes bewusst zu werden", sagt Jon King, Direktor des Darwin-Festivals, das im kommenden Jahr Besucher mit Führungen, Festen und einer Darwin-Torte mit 200 Kerzen locken soll.

In London ruft das Natural History Museum mit einer großen Darwin-Ausstellung. In dem Naturkundemuseum stehen zwischen lebenden Fröschen und einem giftgrünen Leguan Schildkröten und das nachgebaute Schiff "HMS Beagle", mit dem Darwin einst in Richtung Südamerika in See stach. In kleinen Notizbüchern sind seine Aufzeichnungen zu sehen. Auch die Erstausgabe seines revolutionären Werkes "On The Origin of Species" (Die Entstehung der Arten) ist hier neben Übersetzungen ins Japanische, Hebräische oder Arabische zu bestaunen.

Nur die Würmer, die kann der Besucher hier nicht finden. Und das obwohl der große Forscher einst schrieb: "Würmer haben in der Geschichte eine viel wichtigere Rolle gespielt, als die meisten Menschen annehmen." (sp/dpa)

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