Feiermarathon : 300 Jahre Wissenschaft in Berlin

Festakt zu 300 Jahren Wissenschaft in Berlin: Nach zwölf Monaten Feiermarathon kamen noch mal die Jubilare Humboldt-Universität, Charité und Akademie der Wissenschaften zusammen.

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Und jetzt noch einmal ganz groß und alle zusammen: Nach zwölf Monaten Feiermarathon haben die drei Jubilare Humboldt-Universität, Charité und Akademie der Wissenschaften am Mittwoch ihre runden Geburtstage gemeinsam begangen – im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, mit Bundespräsident, Staatsballett und allem Drum und Dran. Damit wurde die finale Festwoche 2010 bis zum 15. Oktober eingeleitet.

Manche der hochrangigen Vertreter scheinen inzwischen etwas feiermüde. HU-Präsident Christoph Markschies etwa merkte in seiner Einführung des Festredners Hans Ulrich Gumbrecht an, man könne es ja fast nicht mehr hören: das Beschwören der Bedeutung preußischer Bildungsinitiativen.

Vielleicht hat man deshalb neben dem Bundespräsidenten den „exzentrischen Kalifornier“ als Festredner geladen, mutmaßte der Redner selbst. Und die Rechnung ging auf. Der hochdekorierte Literaturprofessor Gumbrecht lehrt in Stanford, trug schwarzes Hemd zu roter Krawatte und bemühte sich auch als Redner um diabolische Kontraste. Er erinnerte daran, dass die Humboldt-Universität bis 1989 „nicht gerade ein Ort intellektueller Energie“ gewesen sei und für ihn, den Besucher, vor allem mit dem Geruch von Bohnerwachs verbunden blieb. Generell ging Gumbrecht auftragsgemäß in Opposition, auch zu der Vorstellung von Universität, die Bundespräsident Christian Wulff in seiner Grußansprache erläuterte.

Wulff hob die enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis hervor. Die Herausforderungen der Zeit seien auch große Aufgaben für die universitäre Forschung. Und damit meinte der Präsident nicht weniger, als etwa die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Eine praxisnahe, an konkreten Ergebnissen und konkretem Nutzen orientierte Wissenschaft wünschte sich Wulff.

Der Gast aus Kalifornien setzte andere Akzente. Aus den Glanzzeiten der Berliner Universitätsgeschichte von der Gründung bis in die 1920er Jahre leitete Gumbrecht mehrere Forderungen ab: Einerseits müssten die Universitäten aufhören, durch ihre Berufungspolitik die Festigung von Schulen zu fördern. Der gepflegte, wissenschaftliche Konflikt müsse wieder Einzug in den Fakultäten halten. Außerdem habe gerade die nicht-anwendungsbezogene Forschung am Ende oft zu den glanzvollsten Ergebnissen geführt, sagte Gumbrecht und verwies etwa auf die Quantenphysik. Ausgerechnet der entrückte Stanford-Professor lieferte damit vielleicht die am stärksten an Geschichte und Tradition der Jubilare orientierte Zukunftsvision. Anna Sauerbrey

Das Jubiläumsprogramm im Internet: www.wissenschaftberlin2010.de

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