Wissen : Feine Nase dank Elektroschock

Unangenehme Reize steigern die Wahrnehmung

Wie erkennt die menschliche Nase, dass ein Geruch Gefahr verheißt? Dieser Frage sind Wissenschaftler um Wen Li an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University in Chicago nachgegangen. Ein einziges negatives Erlebnis im Zusammenhang mit einem bestimmten Geruch genügt, um ihn dauerhaft als Gefahr abzuspeichern, berichten die Forscher im Fachblatt „Science“.

Das funktioniert sogar bei Gerüchen, die unter normalen Umständen nicht zu unterscheiden sind, wie die Studie belegt. Zwölf Versuchspersonen im Alter von 22 bis 35 Jahren bekamen drei Substanzen zur Riechprobe. Zwei davon waren identisch, die dritte roch sehr ähnlich. Anfangs konnten die Testpersonen die Gerüche kaum voneinander unterscheiden. Zu 33 Prozent lagen sie richtig, was auch einer zufälligen Bestimmung entsprechen würde.

Dann wurde mittels leichter Elektroschocks während des Riechens an einem bestimmten Geruchsstoff ein unangenehmes Erlebnis simuliert. Nach dieser Konditionierung erkannten die Probanden den Geruch mit doppelter Sicherheit.

Ob sich die veränderte Wahrnehmung auch im Gehirn niederschlägt, haben die Wissenschaftler mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie („Hirnscanner“) untersucht. Sie zeigte eine veränderte Aktivität im olfaktorischen Cortex, dem für Geruch zuständigen Hirnbereich. Die Wissenschaftler nehmen an, dass negative Erfahrungen die Gehirnaktivität und damit die sinnliche Wahrnehmung steigern.

Die Forscher erklären diese Lernfähigkeit mit der Evolution des Menschen. Von jeher sei es notwendig gewesen, unangenehme Situationen zu vermeiden oder richtig auf sie zu reagieren. brr

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