Finanzierung des Studiums : Was das Studium kostet

Neue Kreditprogramme, steigende Zinsen: Worauf Studierende achten sollten, wenn sie ein Darlehen aufnehmen.

Fabian Reinbold

Für Studienanfänger und auch für erfahrene Studierende wird es langsam ernst: In zweieinhalb Wochen beginnt das neue Semester. Wie finanziere ich mein Studium?, lautet eine der Fragen, die sich zum Semesteranfang viele Studenten stellen. Schließlich lassen ihnen die straffen Bachelorstudiengänge weniger Zeit zum Geldverdienen als ihren Magister- und Diplomvorgängern. Zum Winter verlangen überdies sieben Bundesländer Gebühren. Studienkredite könnten so zur Option werden. Bislang haben 80 000 Studierende bundesweit ein solches Darlehen aufgenommen. Bei zwei Millionen Studierenden eine kleine Minderheit, „doch die Zahlen werden schnell steigen“, sagt Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), der vor kurzem 38 Darlehensangebote getestet hat. Mit der steigenden Nachfrage ist auch das Angebot vielfältiger und unübersichtlicher geworden. Ein Überblick, was Studenten bei dem Thema wissen müssen.

Wo Studierende Kredite bekommen
Von der Dresdner Bank bis zur Raiffeisenbank Bobingen bieten Kreditinstitute mittlerweile bundesweit, regional und lokal Studiendarlehen an. Für Studenten in der Hauptstadt kommen zurzeit sechs bundesweite Angebote sowie Studienkredite der Berliner Bank und der Berliner Sparkasse infrage (siehe Grafik). Die Banken sagen, dass für das Erststudium in der Regel allen Studierenden ein Kredit offenstehe – unabhängig vom Fach. Die meisten Banken verlangen keine Sicherheiten. In den Bundesländern, in denen Studierende Gebühren zahlen müssen, bieten die Landesbanken Extradarlehen zur Deckung der Gebühren an.

Wie viel Geld Studierende leihen können
In Deutschland benötigt ein Student im Schnitt 700 Euro im Monat – aber nicht alle Banken zahlen tatsächlich so viel Geld aus. So finanzieren Berliner Bank und Berliner Sparkasse nur 300 Euro im Monat. Von der Deutschen Bank können Studenten ab dem dritten Semester dagegen bis zu 800 Euro im Monat bekommen, bei der Dresdner Bank während eines Auslandsstudiums gar bis zu 1500 Euro im Monat. Die Auszahlungen können generell bis zum Ende der Regelstudienzeit laufen, bei der Dresdner Bank und der staatlichen KfW-Bankengruppe können noch vier Semester drangehängt werden. Landesbanken, die lediglich Studiengebühren abdecken wollen, zahlen nicht mehr als 500 Euro pro Semester aus.

Wie viel die Kredite kosten
„Viele Studenten glauben, sie müssten nur das zurückzahlen, was sie bekommen haben. Sie vergessen völlig, dass sie auch Zinsen zahlen müssen“, sagt Andrea Hoops, stellvertretende Generalsekretärin des Deutschen Studentenwerks. Dabei machen Zinsen Kredite teuer. Ein Rechenbeispiel: Ein Student, der von der KfW-Bankengruppe über zehn Semester lang den Maximalsatz in der Höhe von 650 Euro pro Monat bezieht, hat am Ende des Studiums insgesamt 39.000 Euro aufgenommen. Begleicht er das Darlehen über einen Zeitraum von zehn Jahren, muss er bei den aktuellen Konditionen inklusive Zinsen allerdings 62.000 Euro zurückzahlen. Da bei den Zinsen die Unterschiede groß sind, lohnt es sich, die Angebote zu vergleichen. Die niedrigsten Sätze bietet derzeit der Bildungsfonds der Deutschen Kreditbank mit 5,02 Prozent, bei der Berliner Sparkasse müssen bis zu 8,25 Prozent gezahlt werden. Bei den Zinsen „schneiden die Berliner Anbieter mau ab“, sagt Ulrich Müller vom CHE. Er rät Berliner Studenten, „nicht nur Angebote vor Ort zu prüfen, sondern bundesweit zu schauen“.

Die meisten Banken verändern die Zinssätze zudem halbjährlich. Das birgt das Risiko, dass Zinsen langfristig steigen, warnen Experten – Studierende müssten damit rechnen, dass ihr Kredit im Lauf des Studiums teurer wird. Prinzipiell gilt: Auch wenn die Banken ihre Kredite als „zinsgünstig“ anpreisen, sollten Studenten nachhaken und fragen, wie viel sie später zurückzahlen müssen und wie stark die Kosten steigen können.

Ab wann man zurückzahlen muss
Meistens muss der Kredit erst einige Zeit nach dem Studium zurückgezahlt werden. Die Banken lassen Absolventen üblicherweise 12 bis 24 Monate nach dem Abschluss Zeit, bis sie die erste Rate zurückfordern. Aber Achtung: Bei manchen Anbietern startet diese Schonfrist nicht mit dem Studienabschluss, sondern mit dem Zeitpunkt der letzten Auszahlung. Das benachteiligt Studierende, die den Kredit nicht bis zum Examen benötigen. Diese Regel gilt etwa für die KfW-Bank und die beiden Berliner Banken. Wer den Kredit dort nur über vier Semester nutzt und sich dann über ein Stipendium oder Nebenjob finanziert, muss bereits nach dem achten Semester mit der Rückzahlung beginnen – egal, wie lange man noch bis zum Abschluss braucht.

Den Zeitraum, über den abgezahlt wird, können Studenten mit den meisten Kreditgebern individuell vereinbaren. Oft kann er auf zehn Jahre gestreckt werden, bei der KfW auf bis zu 25 Jahre. Wer über einen langen Zeitraum zurückzahlt, hat einen Vorteil: Die monatlichen Raten sind geringer. Allerdings wird das Darlehen insgesamt teurer, da Kreditnehmer beim Tilgen bis zuletzt Zinsen zahlen. Ein Student, der bei der KfW über zehn Semester die volle Summe aufnimmt und die Rückzahlung von 10 auf 15 Jahre streckt, steigert seine Schulden von 62.000 auf 70.000 Euro.

Worauf man noch achten sollte
Damit solche Schuldenberge nicht entstehen, rät Andrea Hoops, „nicht das komplette Studium auf Pump zu finanzieren“. Studienkredite seien nur in bestimmten Phasen sinnvoll, „etwa in der Abschlussphase, in der man nicht nebenbei jobben möchte“. Da die Bedingungen nicht immer transparent seien, sei es wichtig, sich sorgfältig beraten zu lassen. Die Studentenwerke bieten solche Beratungen kostenlos an. Bei einigen Banken kann man auf der Webseite ausrechnen, wie viel Schulden auf einen zukommen. Auch die CHE-Studie verschafft einen Überblick über die Angebote. „Es gibt nicht den einen guten Kredit“, sagt Ulrich Müller, „genauso wenig, wie es den typischen Studenten gibt.“ Einige Banken zahlen während eines Auslandssemesters nichts, andere bieten dafür Extrageld an. Müllers Rat: Studenten sollten einen Kassensturz machen und den Kredit nur für die Lücke aufnehmen, die sie nicht anders schließen können. Wichtig sei, „nicht sofort zu unterschreiben und keine teuren Extras wie Versicherungen zu akzeptieren“.

Welche Alternativen es gibt
Für Studenten mit guten Noten können die Angebote von Career Concept, Deutscher Kreditbank und Deutscher Bildung eine Alternative sein. Der Kredit stammt hier aus Bildungsfonds, bei denen Anleger in schlaue Köpfe investieren. Um Geld zu erhalten, müssen Studenten Auswahlverfahren bestehen. Der Vorteil: Anders als bei den übrigen Anbietern bemessen sich die Rückzahlungen am späteren Einkommen der Absolventen – wer wenig verdient, zahlt auch wenig zurück. Andrea Hoops vom Studentenwerk empfiehlt den Klassiker der Studienfinanzierung: Studenten sollten immer erst Bafög beantragen, bevor sie einen Kredit aufnehmen. Die Summe, die dabei zurückgezahlt werden muss, ist auf 10.000 Euro begrenzt. Mit dieser Hypothek könne man gelassener ins Berufsleben starten als mit Schulden von 70.000 Euro.

Mehr Informationen im Internet:

www.che-studienkredit-test.de

www.studentenwerke.de/pdf/Uebersicht%20Darlehensangebote.pdf

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