Wissen : Fisch sucht Amboss

Nicht nur der Mensch benutzt Werkzeuge. Auch Affen und Vögel tun es – und vielleicht auch Fische. Das zeigen Beobachtungen australischer Meeresforscher. Bei einem Tauchgang im Great Barrier Reef stießen sie auf einen Lippfisch, der eine Muschel gegen einen Stein schlug und so ihre Schale zertrümmerte. Offenbar nutzte der Fisch den Stein gezielt als funktionale Erweiterung seiner Kiefer, um an das Fleisch der Muschel heranzukommen, schreiben die Wissenschaftler um Alison Jones von der Central Queensland University im Fachblatt „Coral Reefs“. Damit erfülle das Verhalten des Lippfisches die Kriterien für Werkzeuggebrauch, wie sie die berühmte Schimpansenforscherin Jane Goodall bereits in den 70er Jahren formuliert hatte.

Jones und Kollegen analysierten Fotos, die ein Taucher im Gebiet der Keppel-Inseln vor der australischen Ostküste gemacht hatte. Der Mann war durch laute Knackgeräusche auf einen Schwarzfleck-Zahnlippfisch (Choerodon schoenleinii) aufmerksam geworden, der zwischen den Korallen vor einem Gesteinsblock schwebte und eine Herzmuschel im Maul hatte. Indem der Fisch seinen Körper seitlich krümmte, schlug er die Muschel immer wieder gegen den Stein, bis ihre Schale brach.

„Angesichts der zahlreichen, über den Stein zerstreuten Bruchstücke von Muschelschalen liegt es auf der Hand, dass dieses Individuum so etwas regelmäßig tut“, erklärt Jones’ Kollege Culum Brown. Seiner Ansicht nach könne man dem Fisch also durchaus eine gewisse Intelligenz zusprechen.

Zwar gebe es mehrere Berichte über ähnliche Verhaltensweisen bei Fischen, schreiben die Forscher. Diese seien jedoch nicht belegt oder nicht in der freien Wildbahn gemacht worden. Umso wertvoller seien die neuen Bilder als Ausgangspunkt für eine systematische Untersuchung des Werkzeuggebrauchs bei Fischen. JKM

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