Reine Formsache Folge 2 : Verspannungen lösen mit Brain-Body-Balance

BBB ist bisher nur wenig bekannt, soll aber Blockaden im Körper beseitigen. Das passiert durch gezielte Druckimpulse und dehnende Bewegungen.

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Beim Brain-Body-Balance sollen Verspannungen durch Druck auf sogenannte Triggerpunkte beseitigt werden.
Beim Brain-Body-Balance sollen Verspannungen durch Druck auf sogenannte Triggerpunkte beseitigt werden.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die klassische Einzelanwendung beginnt für mich auf dem Bauch liegend. Henriette Letzner stellt fest: Verspannungen im Nacken und an den Schultern, Beckenschiefstand. Ich wusste nicht, dass es so schlimm steht. Pilates- und Personal Trainerin Henriette Letzner aber beschwichtigt, während sie behutsam auf die schmerzende rechte Schulter drückt: „Darunter leiden viele. Vor allem, wer oft am Computer sitzt.“ Über Druckimpulse will sie nun dem Körper helfen, Verspannungen zu lösen. Das Ganze hat einen modernen Namen: Brain-Body-Balance, kurz BBB.

Seit drei Jahren bietet die 43-Jährige die Methode in Berlin an. Keine klassische Massage, nicht mal ausziehen muss der Klient sich für die 30 bis 60 Minuten. Mithilfe eines Pendels oder von – wissenschaftlich nicht anerkannten – kinesiologischen Muskeltests sollen Nerven- und Muskelblockaden im Körper festgestellt werden. Durch Druck auf die Triggerpunkte, also schmerzhafte Stellen innerhalb von Bindegewebe und Muskeln, versucht sie, verkrampftes Gewebe zu entkrampfen. Nach jedem Impuls ruht der Körper einen Moment.

Die Anwendung folgt scheinbar keiner bestimmten Reihenfolge, manchmal wechselt Henriette Letzner von Schulter zu Becken. „Der Druckimpuls gibt über das zentrale Nervensystem Informationen an das Gehirn weiter“, sagt sie. „So wird die Selbstheilung in Gang gesetzt.“ Die Methode hat sie während eines Aufenthaltes in Südafrika kennengelernt, geschult hat sie eine südafrikanische Trainerin. Die alternative Therapie stammt ursprünglich vom Australier Tom Bowen. Er arbeitete in den fünfziger Jahren an einer Methode, durch die der Körper mit Unterstützung eines Therapeuten lernen soll, Schmerzen selbst zu lindern. In Südafrika wurde die Bowen-Therapie dann weiterentwickelt. Kritiker bemängeln, dass in aller Regel keine fachliche Diagnose gestellt wird. Dennoch gibt es eine große Anzahl erfolgreich therapierter Spannungsschmerz-Patienten.

Trainerin Henriette Letzner mit ihrer Gruppe beim Brain-Body-Balance-Workout.
Trainerin Henriette Letzner mit ihrer Gruppe beim Brain-Body-Balance-Workout.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Henriette Letzner bietet die Methode im eigenen Studio auch in Gruppen an. „Move-Stretch-Trigger“ heißen die Kurse. Während die Arbeit bei der Einzelanwendung vom Trainer übernommen wird, ist beim einstündigen Kurs Eigeninitiative gefragt. Die Teilnehmer bewegen sich, machen kleine Übungen, wie seitliche Sit-Ups. Sie dehnen den Körper, massieren und lockern mithilfe diverser Massagegeräte Faszien und Muskeln per Druckimpuls. Wer auf einen Triggerpunkt trifft, spürt die Verhärtung sofort, durch die Übungen scheint sich die Verspannung zu lösen. Ziel des Kurses ist es auch, ein besseres Körperbewusstsein zu entwickeln statt Schmerzen zu verdrängen und sich im „Härtefall“ selbst helfen zu können.
Meine Erfahrung: Kurs und Einzelbehandlung haben bei mir tatsächlich Schultern und Nacken schon etwas entspannt. Und anders als sonst sitze ich am Computer aufrecht und lasse die Schultern nicht nach vorne fallen.

www.bbbalance.com. Eine Einzelanwendung kostet 65 Euro, die Zehnerkarte für den Kursus 140 Euro.

Alle Teile der Tagesspiegel-Serie "Reine Formsache" finden Sie hier.


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