Flug zum Roten Planeten : So schnell fliegt keiner zum Mars

Alle im Mars-Fieber: Auch wenn es zahlreiche Ankündigungen zu bevorstehenden Missionen gibt - der Planet hat noch eine Weile Ruhe vor Homo sapiens. Ein Kommentar.

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Marsianer
Allein auf dem Roten Planeten. Im Film "Der Marsianer - rettet Mark Watney" kämpft sich ein verlassener Astronaut (Matt Damon)...Foto: dpa

Sie sind abgehauen, ohne ihn. Weil sie dachten, er wäre tot. Doch Mark Watney, der Botaniker, hat den mörderischen Sandsturm überlebt. Nun ist er allein. Auf dem Mars. Während seine Gefährten zurück zur Erde fliegen, kämpft er sich durch das unmenschliche Marsleben, in der Hoffnung auf Rettung. Die Geschichte war bereits als Buch von Andy Weir ein Bestseller. Seit einer Woche läuft der Film „Der Marsianer“ nun in den US-Kinos, ab Donnerstag auch in deutschen Sälen – und beflügelt die Fantasie der Zuschauer.

Umstrittene One-Way-Mission

Es ist natürlich Fiktion, auf dem Planeten gibt es keine Station, nicht einmal einen Stiefelabdruck eines Astronauten. Aber könnte es vielleicht in absehbarer Zeit gelingen, dass Menschen den Mars betreten? Dieser Eindruck entsteht, wenn man die wiederkehrenden Ankündigungen der Nasa verfolgt, die „nach 2030 Menschen dorthin bringen möchte“. Oder die private Initiative „Mars One“ auch nur ein bisschen ernst nimmt, die Freiwillige mit einem One-Way-Ticket auf den Roten Planeten schicken will. Finanziert werden soll das Unterfangen unter anderem durch TV- Übertragungsrechte des Himmelfahrtskommandos.

Als die Pläne vor zwei Jahren vorgestellt wurden, gab es ein großes Medienecho, leidenschaftlich wurde über Ethik und Machbarkeit der Mission diskutiert. Inzwischen wird immer deutlicher, dass Zeitplan (der Start der ersten Crew wurde bereits um zwei Jahre auf 2026 verschoben), nötige technische Entwicklungen und Budget so weit auseinanderliegen, dass das Vorhaben als gescheitert gelten kann.

Nach 2030 will die Nasa Astronauten zum Mars bringen

Aufseiten der staatlichen Raumfahrtagenturen sieht es nicht viel besser aus. Zwar haben sie mehrere Forschungssonden und Roboter zum Mars geschickt. Der Aufwand für bemannte Flüge ist jedoch viel größer. Als Erstes sind Raketen und Raumschiffe erforderlich, die stark und sicher genug sind, um Menschen dorthin zu bringen. Die Basis dafür könnten die Schwerlastrakete SLS (Space Launch System) und die Raumkapsel „Orion“ sein, die derzeit bei der Nasa entwickelt werden und für Flüge zum Mond sowie einem Asteroiden genutzt werden sollen.

Nach 2030 will die Nasa dann Astronauten zum Mars bringen. Das Wort „Landung“ wird in diesem Zusammenhang tunlichst vermieden. Denn das ist die zweite große Herausforderung: die Astronauten trotz der dünnen Atmosphäre auf dem Planeten sanft auf dessen Oberfläche abzusetzen. Und, Nummer drei, von dort wieder auf einen Kurs in Richtung Erde zu bringen. Es kann also durchaus sein, dass man beim Erstflug auf eine riskante Landung verzichtet und diese später erfolgt.

Sieben Monate dauert der Flug

Hinzu kommt, dass der Flug rund sieben Monate dauern wird – für eine Strecke. Für die Crew ist das physisch und psychisch belastend. Die Schwerelosigkeit schwächt das Immunsystem, Muskeln und Knochen schwinden. Eine schnelle Rückkehr zur Erde, wie sie von der Internationalen Raumstation (ISS) möglich ist, wäre ausgeschlossen. Auch diese Umstände und wie sie zu bewältigen sind, müssen weiter erforscht werden.

Ob der erste Marsflug tatsächlich in weniger als zwei Jahrzehnten startet, ist sehr fraglich. Belastbare Kostenschätzungen gibt es nicht, mit einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag ist in jedem Fall zu rechnen. Ein solches Vorhaben ist am ehesten in internationaler Kooperation zu schaffen. Doch dafür braucht es eine gemeinsame Vision, die viele mitzieht, wie in den Anfangsjahren der ISS. Von diesem Geist ist derzeit wenig zu spüren, vielmehr konzentrieren sich die meisten Raumfahrtagenturen auf den erdnahen Raum und den Mond.

Elon Musk will den Mars besiedeln und denkt über Atombomben nach

Mars-Fans hoffen nun auf Elon Musk, Gründer von Tesla und SpaceX. Der Milliardär träumt ebenfalls von einer Besiedlung des Mars und macht gerade mit folgender „Option“ von sich reden: Atombomben über den Polen zünden, um den Treibhauseffekt des kalten Planeten anzukurbeln.

Bleibt abzuwarten, wie ernst er das meint oder ob es nur der Versuch war, sich ins Gespräch zu bringen. Ende des Jahres will er seine Ideen vorstellen, wie der Mensch zum Mars kommt. Anders als Mars-One-Gründer Bas Lansdorp verfügt Musk über Kapital und technische Erfahrung. Seine Pläne dürften manche Innovation beinhalten, die den Weg zum Roten Planeten etwas leichter macht. Wunder sollte man von ihm allerdings auch keine erwarten.

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