Wissen : „Flut an Publikationen ist unnütz“

Professorenverband will neue Regeln bei Berufung

Bei Bewerbungen auf eine Professur sollen Forscher künftig nur eine begrenzte Anzahl von Publikationen angeben dürfen. Das fordert jetzt der Hochschulverband, die konservative Interessensvertretung der Universitätsprofessoren. Nachdem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in der letzten Woche angekündigt hatte, bei Anträgen nur noch die Angabe von einigen wenigen, aussagekräftigen Publikationen akzeptieren zu wollen, müssten auch die Hochschulen vergleichbare Regelungen in ihre Berufungsordnungen aufnehmen. „Nun sind die Universitäten am Zug“, heißt es in einer Mitteilung von Bernhard Kempen, dem Präsidenten des Hochschulverbandes, vom Montag. Die Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen müsse sich „aus der Fixierung auf numerische Indikatoren lösen“. Nur so könne der derzeit vorherrschenden Devise „Publish or perish“ („veröffentliche oder verdirb“) entgegengewirkt werden. Auch für Berufungsverfahren müsse gelten: „Allein die Inhalte vorgelegter Publikationen entscheiden über die Berufbarkeit, nicht ihre Zahl.“

Die DFG hatte in der letzten Woche angekündigt, dass Wissenschaftler ab Juli nicht mehr wie bisher unbegrenzt viele Titel bei ihren Anträgen anführen dürfen. Zum Nachweis ihrer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit dürfen Forscher stattdessen nur noch bis zu fünf Werke angeben. Die Initiative sei ein wichtiger Beitrag gegen die „unnütze Publikationsflut“, sagte Kempen. Wenn die Wissenschaft nichts dagegen unternehme, würden am Ende „alle schreiben und kaum noch einer lesen. Das ist keine Wissenschaft mehr“.

Auch die DFG hatte ihren Vorstoß damit begründet, die Qualität wieder in den Mittelpunkt der Forschung rücken zu wollen. In den USA haben zwei große Forschungsförderagenturen ebenfalls die Zahl der anführbaren Werke bei Anträge limitiert, um der Publikationsflut entgegenzuwirken. Bei Anträgen an die National Science Foundation dürfen inzwischen nur noch bis zu fünf Publikationen mit Bezug zum beantragten Projekt und bis zu fünf weitere Publikationen angegeben werden, bei den National Institutes of Health maximal 15 Publikationen. tiw

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