Forschung am KIT : Rheinische Freiheit

Land oder Bund? Es gibt knifflige Rechtsprobleme bei der Bildung des Karlsruher Instituts für Technologie.

Frank van Bebber
Forensik
Ein Spezialgebiet in Karlsruhe ist die nukleare Forensik. -Foto: dpa

Auf dem Weg zur Einheit sehen die Karlsruher Forscher noch doppelt: Zwei Minister reisten Ende vergangener Woche an, um die Fusion einer Universität des Landes Baden-Württemberg und des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) des Bundes zu feiern. Bundesbildungsministerin Annette Schavan und ihr Landeskollege Peter Frankenberg (beide CDU) sprachen von einem historischen Tag. Für die Chefs von Uni und FZK, die das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bilden sollen, standen nebeneinander zwei Pulte auf der Bühne. Ihre Rede las die designierte KIT-Doppelspitze absatzweise abwechselnd vor.

So unkonventionell wollen die Karlsruher die Fusion weiter vorantreiben. Denn die beim Elite-Wettbewerb fix siegreiche Idee, Landes- und Bundesforscher erstmals zu vereinen, erweist sich als verzwicktes Rechtsgeschäft. Zuletzt fabulierten die Initiatoren so oft von Verschmelzung, Verschränkung oder Verzahnung, bis selbst Beteiligte das Modell nicht mehr erklären konnten. Beim Festakt in Karlsruhe nahmen sich beide Minister nun persönlich für einen klaren Erfolg in Haftung. In Karlruhe wurde das als Signal an ihre Beamten verstanden, dass von nun an nur noch Lösungen gefragt seien. Schavan erklärte das KIT zum Prüfstein für das Ganze: „Der Durchbruch zur Freiheit muss uns in Karlsruhe gelingen.“

Der vereinbarte Weg: Beide Institutionen verschmelzen zu einer einzigen Rechtsperson, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts nach Landesrecht. Es gibt eine gemeinsame Planung und einheitliche Organe wie einen Senat. Das KIT umfasst so 18 000 Studenten, 8000 Mitarbeiter und 600 Millionen Euro Etat. Schon die Addition von Drittmitteln und Publikationen wird es in Rankings nach oben schieben. Der Kniff: Die Organisation bleibt im Innern zugleich Uni und außeruniversitäre Großforschungseinrichtung. Auf der Urkunde einer Promotion steht KIT, verliehen wird sie doch von einer Uni. Prinzip: ein Haus, zwei Bewohner. Ebenso bleiben die Geldströme von Bund und Land getrennt, um der Verfassung genüge zu tun. Frankenberg sagte: „Das Personal wird getrennt berechnet, aber der Sinn ist, dass sie gemeinsam arbeiten.“

Noch muss das im Kleinklein von Paragrafen fixiert werden, wohl bis 2009. Die aus dem Rheinland stammenden Minister kündigten nun listig eine „rheinische Lösung“ an. Was heißt, die Juristen sollen sich was einfallen lassen, der Alltag besorgt den Rest. „Die Freiheit des Rechtsrahmens auskostend“, nannte das Frankenberg. So hat Bundesgeld nichts in der Lehre verloren. Doch Bundesforscher werden eben freiwillig lehren, während die doppelte Buchführung die Juristen befriedet. Schavan sprach nicht mehr von Spitzenforschung, sondern von Spitzenklasse – um die Lehre nicht aus der Exzellenz auszuklammern. Da zeigte sich auch die künftige KIT-Spitze, Rektor Horst Hippler und FZK-Chef Eberhard Umbach, kreativ. Ihren letzten Satz des Festaktes sprachen sie an getrennten Pulten gemeinsam aus: „Es geht erst richtig los!“Frank van Bebber

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