Forschung : Auch kleine Projekte sind leistungsstark

Der Wissenschaftsrat rät der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), bei der Forschungsförderung das Gewicht nicht zu stark auf große Projekte zu legen.

Anja Kühne

Der Wissenschaftsrat rät der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), bei der Forschungsförderung das Gewicht nicht zu stark auf große Projekte zu legen. Es spreche bisher nichts dafür, dass große Verbünde grundsätzlich einen höheren Erkenntnisertrag lieferten, sagte Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, am Montag in Berlin: „Big ist nicht immer beautiful.“ Darum solle der Spielraum bei Anträgen für Sonder forschungsbereiche (SFB) stärker genutzt werden. Die Antragsteller sollten sich dem „mentalen Konformitätsdruck“ entziehen und durchaus auch kleine SFB mit nur zehn Teilprojekten beantragen.

Auch dürften die kleineren DFG-geförderten Forschergruppen und Einzelvorhaben gegenüber den SFB nicht als nachrangig betrachtet werden, es handle sich um ebenso gute Instrumente. Darum sollten die Länder bei der leistungsbezogenen Mittelvergabe eingeworbene SFB nicht gegenüber anderen Forschungsprojekten „überproportional belohnen“. Strohschneider sagte allerdings auch, gegenüber den Exzellenzclustern und ihrem hohem „symbolischen Kapital“ gerieten die SFB an den Unis teilweise in eine „nachgeordnete Position“ – ebenfalls zu Unrecht.

Der Wissenschaftsrat beschloss auf seiner Sitzung auch ein neues Verfahren zur Akkreditierung privater Hochschulen. Er will private Hochschulen in Zukunft nur noch einmal akkreditieren – nämlich dann, wenn diese nach mindestens drei Jahren ihre Gründungsphase durchlaufen haben, so dass die Experten sich bereits ein Bild vom laufenden Betrieb machen können. Einen zweiten oder dritten begutachtenden Blick („Reakkreditierung“) will das Gremium hingegen ab 2011 nicht mehr auf private Hochschulen werfen. Stattdessen will es nur noch Standards für die Akkreditierung formulieren. Ob die privaten Hochschulen solchen Standards entsprechen, würden dann aber Einrichtungen in den einzelnen Ländern zu überprüfen haben, etwa Akkreditierungsagenturen, sagte Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, am Montag in Berlin. Die zunehmende Zahl von Anträgen zur Reakkreditierung belaste den Wissenschaftsrat zu stark, sagte Strohschneider. Länder mit vielen privaten Hochschulen wie Baden-Württemberg ließen inzwischen ihren gesamten Bestand akkreditieren.

Zwischen 2004 und 2008 hat sich die Zahl der an privaten Hochschulen immatrikulierten Studentinnen und Studenten verdoppelt: auf 3,6 Prozent. In Deutschland gibt es 82 private und 40 kirchliche Hochschulen (an Letzteren bleibt der Studierendenanteil konstant bei etwa einem Prozent). Zuletzt hat der Wissenschaftsrat vier private Hochschulen akkreditiert: die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, die Zeppelin University in Friedrichshafen, das Theologische Seminar Tabor in Marburg und die 2006 gegründete Berliner Technische Kunsthochschule (btk). akü

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