Wissen : Forschung aufwerten

Wissenschaft wünscht sich Großministerium

Uwe Schlicht

Ein Großministerium für Forschung, Technik und Innovation: Das wünscht sich Jürgen Mlynek, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, von der neuen Bundesregierung. Für eine Aufwertung des Forschungsministerium durch die Bereiche Technologie und Innovation sprach sich Mlynek jetzt auf der Jahrespressekonferenz der Helmholtz-Gemeinschaft, einer der großen Forschungsförderungsorganisationen in Deutschland, aus. Bei der bisher üblichen Verteilung der Zuständigkeiten komme es immer wieder zu Reibungsverlusten und Streitigkeiten, die zeitnahe Entscheidungen erschweren: zum Beispiel bei der Zuständigkeit für Energiepolitik im Wirtschaftsministerium und der Atomforschung und Strahlungsforschung im Umweltministerium. Ähnliche Probleme entstünden bei der Gesundheitsforschung durch die Doppelzuständigkeit von Forschungsministerium und Gesundheitsministerium.

Von der neuen Bundesregierung erwartet Mlynek, dass sie weiterhin zur Fortsetzung des Hochschulpakts für neue Studienplätze, des Elitewettbewerbs unter den Universitäten und des Pakts für Innovation und Forschung steht. Mlynek erinnerte an die Verabredung der Ministerpräsidenten von Bund und Ländern auf dem Bildungsgipfel in Dresden. Dort sei eine Selbstverpflichtung zur Förderung von Bildung, Forschung und die Qualifizierung vereinbart worden.

Zudem solle sich die neue Koalition auf ein weiter gehendes „Wissenschaftsfreiheitsgesetz“ verständigen, um den deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten noch mehr Gestaltungsfreiheit bei den Gehältern zu bieten. Positiv schätzte Mlynek die Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Deutschlands ein. Die Bundesrepublik habe in den letzten zehn Jahren aufgeholt und auch im Ausland an Sichtbarkeit gewonnen. Bei der Investition in Großgeräte sieht Mlynek Deutschland sogar international in einer Führungsposition. Das zeige sich daran, dass herausragende Wissenschaftler für ihre Experimente nach Deutschland kämen.

Der Staatssekretär im Forschungsministerium, Frieder Meyer-Krahmer, kündigte unterdessen im Wissenschaftszentrum Berlin an, die Bundesregierung wolle daran festhalten, dass anders als in den USA in Deutschland die Ausbildung von Studierenden nicht nur an wenigen Elite-Unis, sondern in der Breite ein hohes Niveau haben solle. Der Staatssekretär war sich mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, einig, dass die Wissenschaft in der Bundesrepublik keinen Generalplan und keine Lenkung von oben bekommen soll. In der Wissenschaft entwickle sich vielmehr die Kooperation durch Initiativen von unten.

Strohschneider bedauerte, dass eine Aufwertung der Lehre nicht stattfinde, obwohl der Wissenschaftsrat das gemeinsam mit Bund und Ländern empfohlen habe. Dieses Ziel sei in der Finanzkrise untergegangen. Uwe Schlicht

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