Forschung : Dem Urknall auf der Spur

Physiker Rolf-Dieter Heuer wird Chef des Cern.

Paul Janositz
Rolf-Dieter Heuer Foto: Desy
Rolf-Dieter Heuer. -Foto: Desy

Als eine Art Zoodirektor kann man die Position bezeichnen, die Rolf-Dieter Heuer bald einnehmen wird. Sein Zoo wird aber anstelle von Tieren exotische Teilchen enthalten, die kleinsten Bestandteile der Materie wie Quarks oder Leptonen. Ab 2009 soll der 59-jährige Hamburger Physiker Chef des europäischen Kernforschungszentrums Cern werden. Er löst den bisherigen französischen Generaldirektor Robert Aymar ab.

Das bei Genf gelegene Cern ist die bedeutendste Einrichtung auf dem Gebiet der Teilchenphysik. Mit Hilfe riesiger Beschleuniger suchen dort mehr als zweieinhalbtausend Forscher aus Europa und 8000 Gastwissenschaftler aus aller Welt nach den flüchtigen Teilchen.

Den neuesten Mitgliedern dieses Teilchenzoos will man mit dem Large Hadron Collider (LHC) auf die Spur kommen. Der weltweit größte Beschleuniger wird auf seinem 27 Kilometer langen Ring Protonenstrahlen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen lassen. Aus den Bruchstücken dieser sekündlich 600 Millionen Zusammenstöße soll rekonstruiert werden, wie der Zustand des Universums kurz nach dem Urknall gewesen sein könnte. Die Jagd gilt besonders dem Higgs-Teilchen, das Aufschluss darüber geben soll, wie Materie überhaupt entstehen konnte.

„Ein neues Zeitalter der Teilchenphysik“ sieht Heuer anbrechen. Der Professor für Experimentalphysik an der Universität Hamburg weiß, wovon er spricht. Als Forschungsdirektor am Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) ist er am Entstehen des LHC-Projekts wesentlich beteiligt gewesen. Schwerpunkt des Desy-Beitrags wird die Datenanalyse sein. „Die Software dazu wurde hauptsächlich in Hamburg entwickelt“, sagt Thomas Zoufal, Sprecher des Deutschen Elektronen-Synchrotrons.

Wer könnte die ergiebige Kooperation zwischen deutschem und europäischem Forschungszentrum besser verkörpern als Heuer? Schließlich hat der im Städtchen Boll am Fuße der Schwäbischen Alb geborene Physiker schon von 1984 bis 1998 am Cern gearbeitet. Dort hatte er Experimente am LEP (Large Electron-Positron Storage Ring) geleitet.

Die Teilchenphysik hatte Heuer schon während des Studiums in Stuttgart und Heidelberg in den Bann geschlagen. Während seiner Promotion, die er 1977 an der Universität Heidelberg abschloss, forschte er bereits am Desy. Anschließend arbeitete er in Hamburg am Speicherring-Experiment „Petra“ weiter, bis er dem Angebot aus Genf folgte.

Dass es den Forschungsmanager jetzt wieder in die Schweiz zieht, nimmt ihm Monika Auweter-Kurz, Präsidentin der Uni Hamburg, nicht übel: „Mit seiner Berufung haben wir noch engere Verbindungen zum Cern.“ Schließlich bleibt Heuer Professor der Hamburger Uni, wenn auch beurlaubt. Paul Janositz

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