Forschung : Die gebremste Elite

Kampf um die Köpfe: Exzellenzuniversitäten klagen über Grenzen für Gehälter.

Frank van Bebber

Beim Weg an die Weltspitze sehen sich die neuen Eliteuniversitäten von der Bürokratie behindert: „Viele Beteiligte haben an vielen Stellen dafür gesorgt, dass sich nichts ändert“, sagte jetzt der Sprecher des Konstanzer Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“, Rudolf Schlögl, auf einer Tagung am Bodensee. Strikte Obergrenzen für Gehälter und Stipendien behinderten einen erfolgreichen Kampf um die besten Köpfe. Auch der Rektor der im letzten Jahr zur Eliteuni gekürten TU Karlsruhe, Horst Hippler, hält das deutsche Besoldungssystem für zu starr: „Damit sind wir nicht wettbewerbsfähig.“ Die Kollegen an der ETH Zürich lächelten immer noch, wenn die deutsche Konkurrenz mit Gehaltsgrenzen und festgelegten Summen für das Kollegium in Verhandlungen ziehe.

Die Konstanzer Forscher berichteten von schmerzlichen Absagen. Topleute aus dem Ausland seien zwar zu Gehaltseinbußen von bis 40 Prozent bereit gewesen. Doch bei dem engen Rahmen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst hätten sie als Elitegruppenleiter bis zu 70 Prozent weniger verdient als bisher. Der Politikforscher Wolfgang Seibel sagte: „Wir kämpfen mit den Widersprüchen, dass ein innovatives Projekt in die deutsche Bürokratie eingegliedert wird.“ Konstanz hatte in der ersten Runde des Wettbewerbs 2006 das damals einzige geisteswissenschaftliche Cluster eingeworben; in der zweiten Runde war sie im Herbst zur Eliteuni gekürt worden.

Die Konstanzer beklagen zudem, die zunächst in ihrer Höhe offenen Stipendien für Gastforscher seien nachträglich begrenzt worden. Grund war nach Angaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dass sich die Bund-Länder-Kommission nicht über eine Freigabe einigen konnte. Darum gelten auch bei Eliteprojekten die üblichen DFG-Obergrenzen. Als Grund vermuten Forscherkreise, im Wettbewerb weniger erfolgreiche Länder hätten um ihre Konkurrenzfähigkeit gebangt. Der Karlsruher Rektor Hippler forderte die Politik auf, die Grenzen des Gehaltsgefüges zu reformieren. Frank van Bebber

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