Forschung : Durchbruch in der Stammzellen- forschung

Eine neue Technik macht Hoffnung auf Ersatzgewebe für Patienten: Die Herstellung von wertvollen Stammzellen könnte in Zukunft auch ohne menschliche Embryonen gelingen. Forscher bejubeln die neue Technik als Meilenstein der Forschung.

Stammzellen
Künftig müssen nicht zwangsläufig Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen genutzt werden. Auch Hautzellen erfüllen diesen Zweck. -Foto: dpa

BerlinWissenschaftlern aus Japan und den USA ist ein Durchbruch in der Stammzellforschung gelungen. Sie haben reife Hautzellen in Stammzellen verwandelt – und das ohne die Verwendung von Embryonen. Die Nachricht wurde von Forschern weltweit gefeiert. „Diese Arbeit stellt einen riesigen wissenschaftlichen Meilenstein dar –die biologische Entsprechung des ersten Flugzeugs der Gebrüder Wright“, sagte Robert Lanza, leitender Wissenschaftler des US-Unternehmens ACT, das sich mit der Gewinnung von Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryonen beschäftigt.

Stammzellen sind die Ursprungszellen, aus denen auch Embryonen bestehen. Diese Ursprungszellen können sich in jeden Zelltyp des Körpers verwandeln, wie etwa in Herz- oder Nervenzellen. Das macht sie medizinisch sehr wertvoll, weil sich mit ihrer Hilfe theoretisch jeder Mensch eine Art „Ersatzteillager“ zulegen könnte. Beispielsweise könnte man nach dem neuen Verfahren einem Herzpatienten Zellen aus der Haut entnehmen und die Hautzellen in Herzgewebe verwandeln. Da das Gewebe vom Patienten selbst kommt, bestünde keine Gefahr einer Abstoßung. „Das ist eine riesige Sache“, sagte Rudolf Jaenisch, ein Pionier der Stammzellforschung am Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge.

Erfinder von "Dolly" ist begeistert

Begeistert zeigte sich Ian Wilmut, der Schöpfer des Klonschafs „Dolly“. Wilmut ist so angetan von der Technik, Stammzellen ohne Embryonen schaffen zu können, dass er sein altes Klonverfahren aufgeben möchte, um sich in Zukunft der neuen Methode zuzuwenden. Doch so vielversprechend die Technik erscheinen mag: Auch sie ist noch nicht ganz ausgereift – und hat sogar noch einige erhebliche Nachteile.

Ein großes Problem besteht darin, dass sich in den Zellen, die man mit Hilfe der Methode herstellt, Viren schwirren. Die Viren braucht man, um die Gene in die Zellen einzuschleusen. Diese Gene, die die reifen Zellen dann in ihren Ursprungszustand zurückverwandeln, sind ebenfalls nicht ganz harmlos. So sind zumindest einige von ihnen auch an der Entstehung von Krebs beteiligt.

Für die Medizin eignet sich die Methode somit noch nicht. Viele Forscher sind allerdings optimistisch, dass sich das gleiche Resultat bald auch ohne Viren und Extra-Gene erreichen lässt. Trotz der Fortschritte hält der Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler die Forschung an herkömmlich hergestellten embryonalen Stammzellen weiter für erforderlich. „Wir brauchen sie, um die Methoden zu vergleichen und Krankheiten zu erforschen“, sagte er dem Tagesspiegel. Auch die Liberalisierung des deutschen Stammzellgesetzes bleibe weiter erforderlich.

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