Forschung : Harvard-Psychologe soll gepfuscht haben

16.08.2010 14:47 UhrVon Hartmut Wewetzer
Im Zwielicht. Harvard-Psychologe Marc Hauser soll gepfuscht haben. Foto: Laif
Im Zwielicht. Harvard-Psychologe Marc Hauser soll gepfuscht haben. - Foto: Laif

Der Psychologe Marc Hauser steht unter Verdacht, in seinen Studien nicht wissenschaftlich genug gearbeitet zu haben. Als Folge einer internen Untersuchung zog Hauser nun eine einflussreiche Studie zurück.

Marc Hauser, 50, gilt als einer der Stars der Harvard-Universität. Der eloquente und einflussreiche Psychologe ist ein gefragter Interviewpartner, populärwissenschaftlicher Buchautor und in den US-Medien stets präsent. Hauser geht der Frage nach, inwieweit unser Sinn für Moral evolutionär „programmiert“ ist. Der „Moralinstinkt“ könnte ebenso in uns angelegt sein wie der „Sprachinstinkt“, lautet Hausers These. Möglicherweise aber hat Hauser selbst seinem Instinkt nicht gehorcht. Denn eine bereits vor drei Jahren begonnene Untersuchung der Universität kommt zu dem Schluss, dass es in Hausers Labor nicht immer mit rechten Dingen zugegangen ist.

Der Vorwurf: wissenschaftliches Fehlverhalten.

Als Folge der internen Untersuchung zog Hauser nun eine einflussreiche Studie zurück, die er im Fachblatt „Cognition“ veröffentlicht hatte, berichtet der „Boston Globe“. Auch zwei weitere Fachzeitschriften, darunter das Top-Journal „Science“, teilten mit, dass bei Veröffentlichungen, an denen Hauser beteiligt war, Bedenken aufgekommen seien. Es habe daraufhin Korrekturen gegeben.

In der nun zurückgezogenen Studie in „Cognition“ ging es um die Frage, ob Lisztaffen, eine Primatenart, in der Lage sind, verallgemeinerbare Regeln zu lernen. Eine Fähigkeit, die Kinder besitzen und die möglicherweise entscheidend für das Erlernen einer Sprache ist. Auf der Basis von Videoaufnahmen kamen Hauser und seine Mitarbeiter zu dem Schluss, dass Lisztaffen fähig sind, Regeln zu begreifen. Diese Aussage widerrufen sie nach der internen Untersuchung.

Viele von Hausers Studien gründen auf Videoaufnahmen, in denen tierisches Verhalten dokumentiert ist. Sie bieten einen gewissen Interpretationsspielraum, der von Hauser möglicherweise zu weit ausgedehnt wurde – von der Wirklichkeit zum Wunschdenken. Bereits in der Vergangenheit war Hauser wegen seiner Deutungen von Kollegen kritisiert worden.

Der 50-Jährige hat eine Auszeit bis zum Herbst 2011 genommen. Wie es dann weitergeht, ist unklar. Hauser arbeitet an einem Buch zu der Frage, warum wir von Natur aus Geschmack daran finden, böse zu sein.

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