Forschung in Europa : TU Berlin holt Platz im Superinstitut

Die ersten drei Teams des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) wurden bekannt gegeben.

Ralf Nestler

Das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT) nimmt Gestalt an. Am Mittwochabend wurden in Budapest die Gewinnerteams für die ersten drei Forschungsthemen bekannt gegeben. Die Bewerber aus Deutschland, vor allem aus der Region Berlin-Brandenburg, waren dabei besonders erfolgreich.

Im Gegensatz zum selbst gewählten Konkurrenten, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Amerika, wird das europäische Spitzeninstitut nicht an einem Ort, sondern in mehreren Ländern präsent sein: indem sich zu bestimmten wissenschaftlichen Fragen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Firmen zusammenschließen. Diese internationalen Wissensgemeinschaften werden als KIC (Knowledge and Innovation Communities) bezeichnet.

Im Themenfeld „Kommunikations- und Informationstechnologie“ wird jetzt Berlin eine maßgebliche Rolle spielen – allen voran die Technische Universität. Gemeinsam mit Institutionen in Eindhoven, Helsinki, Paris und Stockholm soll der Wandel zur Wissensgesellschaft durch internet-basierte Dienste vorangetrieben werden. Dabei soll Berlin den Bereich „Innovation“ koordinieren.

„Wir werden die Arbeit noch im Frühjahr aufnehmen“, sagt Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin. Dazu werde nun nach einem entsprechenden Gebäude gesucht. Es soll „repräsentativ und gut sichtbar“ sein. In Frage kämen sowohl Uni-Gebäude als auch Häuser in direkter Nachbarschaft. Mehr will Kutzler dazu noch nicht sagen.

Weitere Partner hierzulande sind die Deutsche Telekom, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Deutsche Forschunsgzentrum für Künstliche Intelligenz, die Softwarefirma SAP sowie Siemens. „Der Schwerpunkt liegt eindeutig hier“, sagt Kutzler. „Ich schätze, dass 80 Prozent des Geldes, das in den deutschen Teil dieses KICs fließt, nach Berlin kommt.“

Wie viel genau das ist, stehe aber noch nicht fest. Beim EIT hat das Konsortium für die nächsten fünf Jahre gut 100 Millionen Euro für die Partner aus allen Ländern beantragt. Rund viermal so viel soll zusätzlich von den beteiligten Staaten und Industriepartnern kommen.

Eine ähnliche Kostenteilung soll es beim „Klima-KIC“ geben, wobei die 16 beteiligten Institutionen gleich 120 Millionen Euro Unterstützung beim EIT beantragt haben. Der deutsche Verbund des Klima-KIC wird vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geführt, weitere Mitglieder sind wiederum die TU Berlin, das Potsdamer Geoforschungszentrum sowie die TU München. Die Forschungsschwerpunkte sollen neben Berlin/Potsdam in London, Paris, Utrecht und Zürich sein. Themen werden das Messen und Modellieren von Klimaveränderungen, Emissionsreduktion in Städten, Wassermanagement und die Entwicklung CO2-freier Produktionssysteme sein.

Im KIC „Inno Energy“ soll ein nachhaltiges Energiesystem für Europa entwickelt werden. Koordiniert wird dieser Wissensverbund vom Karlsruhe Institute of Technology. Dabei soll auf bestehende Kooperationen mit Instituten und Firmen in Frankreich, Niederlande, Spanien, Polen und Schweden zurückgegriffen werden. Auch hier wird das EIT die einzelnen Projekte voraussichtlich mit rund 100 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren unterstützen.

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