Forschung : Indiens Hochschulen ohne Personal

Fast die Hälfte der Stellen für wissenschaftliches Lehrpersonal an den indischen Hochschulen ist unbesetzt - viele der besten Studierenden gingen so früh wie möglich in die Wirtschaft oder ins Ausland.

Anja Kühne

Das berichtet der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD). Nur 0,6 Prozent aller Absolventen des Jahrgangs 2005/2006 hätten den Doktorgrad erreicht. Die Unis litten unter der schwierigen sozialen Situation des Landes. Ein Drittel der ärmsten Weltbevölkerung lebe in Indien – aber auch die meisten Millionäre und Milliardäre weltweit.

Aus Sicht der Leiterin der DAAD-Außenstelle in Neu Delhi, Christiane Schlottmann, setzen viele Inder Hoffnungen in den neuen Bildungsminister Kapil Sibal, der bereits in der vergangenen Legislaturperiode Minister für Forschung und Technologie war. Er wolle die Internationalisierung der indischen Hochschulen vorantreiben. Allerdings stehe er dabei vor Hürden. Denn das indische Hochschulgesetz verbiete die Gründung ausländischer Hochschulen. Auch dürften nur indische Wissenschaftler Planstellen besetzen.

Der DAAD will die Beziehungen zu Indien mit dem unlängst gestarteten Programm „A New Passage to India“ beleben. Es bietet Deutschen Stipendien für einen Studien- oder Forschungsaufenthalt, indische Studierende könnten sich um ein Forschungspraktikum in Deutschland bewerben. Während etwa 4000 indische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind, studieren nur etwa 150 Deutsche in Indien. Demnächst sollen die ersten Zentren für zeitgenössische Indien-Forschung an deutschen Unis eröffnet werden. Dort sollen auch indische Gastprofessoren lehren können. Ab 2010 will der DAAD das neue Zentrum für Nachhaltigkeitsforschung am Indian Institute of Technology (IIT) in Madras unterstützen.

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