Forschung : Kraft aus dem Labor

Berlins Wissenschaft gehört sowohl außeruniversitär als auch an den Hochschulen bundesweit zur Spitze. Der Senat zieht Bilanz über zehn Jahre.

Anja Kühne
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Berlins Medizin wächst. -Foto: arc

Der Berliner Senat bejubelt die Wissenschaft der Stadt: „Es kann festgehalten werden: Die Berliner Forschungslandschaft nimmt einen nationalen Spitzenplatz ein“, lautet die Bilanz über die vergangenen zehn Jahre. Anlass ist eine Große Anfrage der FDP-Fraktion. Die Antwort fällt sowohl für die außeruniversitäre als auch für die Forschung an Hochschulen sonnig aus. Gewürdigt wird auch die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, die zum Entstehen tausender neuer Arbeitsplätze in der Region beigetragen habe, heißt es in dem Papier.

Die außeruniversitäre Forschung bringe Berlin für jeden dort investierten Euro „ein Vielfaches“ zurück. Im Jahr 2006 wurden danach in Berlin über 670 Millionen Euro für außeruniversitäre Einrichtungen ausgegeben. Vom Land kamen nur 150 Millionen Euro, 330 Millionen trugen der Bund und die übrigen Länder bei. Der Rest kam aus eingeworbenen Drittmitteln und sonstigen Einnahmen. „Berlin wird mit seinen Aktivitäten international wahrgenommen“, berichtet Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD).

Mitte der 90er Jahre haben Berlin und Brandenburg begonnen, Wissenschaft und Wirtschaft in Zukunftsfeldern zu vernetzen. In der Biotechnologie und der Biomedizin gebe es heute 12 000 Arbeitsplätze, 5000 davon in der Wissenschaft. Seit 1996 seien in diesem Bereich 200 neue Firmen und 2000 Arbeitsplätze geschaffen worden. In der Medizintechnik zählt der Senat 180 Unternehmen mit etwa 6000 Arbeitsplätzen, davon seien 1500 in den letzten fünf Jahren entstanden. In der Verkehrs- und Kraftfahrzeugtechnik arbeiteten zur Zeit rund 19 000 Beschäftigte, 560 Forscher an 25 Instituten forschten unter anderem „am Automobil von morgen“. Im Bereich der Kommunikationstechnologien schließlich gebe es in der Region 3700 Firmen mit 31 000 Beschäftigten. Der Senat will diese Wachstumsfelder ebenso wie die Mikrosystemtechnik und die Optischen Technologien „zu international konkurrenzfähigen Clustern“ ausbauen.

Ein bedeutender Standort dafür ist Adlershof, mit heute 12 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und 1500 Mitarbeitern – 20 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Hinzu kommen 865 Mitarbeiter und 6400 Studierende der Humboldt-Universität. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Unternehmen in Adlershof von 210 auf 700, die der Mitarbeiter von 2000 auf 12 700. Der Gesamtumsatz wuchs von 487 Millionen Euro im Jahr 2001 auf 1,3 Milliarden Euro in 2006. Dynamisch hat sich auch der Biomedizinische Campus in Berlin-Buch entwickelt. Die Zahl der Biotechnologiefirmen wuchs in zehn Jahren von 35 Firmen mit 280 Beschäftigen auf 52 Firmen mit 560 Beschäftigten. Die Zahl der Mitarbeiter in den Kliniken hat sich mehr als verdoppelt: von 1100 auf 2750.

Der Senat sieht zwischen den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den Universitäten „intensive Kooperationsbeziehungen“. Diese müssten allerdings verstärkt werden, auch zum Nutzen der internationalen Sichtbarkeit.

Warben Berliner Hochschulen (mit Medizin) im Jahr 1997 noch 181 Millionen Euro ein, kamen sie im Jahr 2006 auf 291 Millionen Euro. Von den renommierten Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hatten Berlins Hochschulen damals nur 18. Inzwischen sind es 30. Die Zahl der Graduiertenkollegs für den wissenschaftlichen Nachwuchs stieg von 19 auf 22. Im letzten Drittmittelranking der DFG vom Jahr 2006, das 80 Prozent aller Drittmittel für die universitäre Forschung berücksichtigt, kam die Humboldt-Universität auf Platz 5, die Freie Universität auf Platz 10 und die TU auf Platz 22. Im Exzellenzwettbewerb errangen Berlins Unis vier Cluster und Graduiertenkollegs, die Freie Universität ist eine von acht deutschen Hochschulen, deren Zukunftskonzept gefördert wird.

Wie gut sind Berlins Unis aber im internationalen Vergleich? Der Senat geht davon aus, dass national führende Forscher „in der Regel auch zur internationalen Spitzenforschung gehören“. Auf die Frage der FDP, wie hoch der Anteil ausländischer Wissenschaftler an Berlins Hochschulen schätzungsweise ist, antwortet der Senat nicht. Vermutet werden kann aber, dass den Lehrkörpern Berliner Hochschulen wie denen der meisten deutschen Unis noch kaum Wissenschaftler aus dem Ausland angehören.

Die massiven Einsparungen bei den Unis in den vergangenen Jahren erwähnt der Senat nicht. Er stellt aber fest, dass die Zahl des wissenschaftlichen Personals an den drei großen Berliner Unis (ohne Medizin) vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2006 von 4082 auf 3615 gesunken ist. Die Zahl der Professoren sank von 1142 auf 959. Weil Berlins Unis in der Forschung aber sehr erfolgreich sind, stieg die Zahl der Drittmittelbeschäftigten im gleichen Zeitraum von 1319 auf 1978.

Die Patentvermarktung der Hochschulen über die Ipal GmbH lobt der Senat als im Bundesvergleich „sehr erfolgreich“. Allerdings werde es noch dauern, bis die Verwertung der Patente „nennenswerte Deckungsbeiträge erbringt“.

Der Senat sieht die Forschung der Stadt weiterhin im Aufwind. Aus dem Hochschulpakt, der Exzellenzinitiative und dem Berliner Masterplan fließen zwischen 2007 und 2012 über 500 Millionen Euro zusätzlich in die Wissenschaft.

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