Forschung : Mehr Professorinnen braucht das Land

Nur jede zehnte hochdotierte Professur ist mit einer Frau besetzt. Die deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) findet das "beschämend" - und plädiert nun für eine Selbstverpflichtung der wissenschaftlichen Institute.

BerlinIn Forschung und Lehre soll es mehr Professorinnen geben. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) will mit einem Selbstverpflichtungsmodell für jedes einzelne Institut den Frauenanteil unter den Nachwuchswissenschaftlern in den kommenden fünf Jahren deutlich erhöhen. Zudem soll der Wiedereinstieg von jungen Frauen nach Familienphasen mit Stipendien gefördert werden. Auch sollen die Kinderbetreuungsangebote verbessert werden. DFG-Präsident Matthias Kleiner nannte es am Donnerstag in Berlin "beschämend", dass in Deutschland nur zehn Prozent der besser bezahlten Professuren (C4/W3) mit Frauen besetzt sind. Dies sei zugleich auch "eine Verschwendung intellektueller Ressourcen".

Zwar nehmen heute - 100 Jahre nach Zulassung der ersten Frauen an preußischen Universitäten - bundesweit genau so viel Studentinnen wie Studenten ein Studium auf. Bei den Doktorarbeiten entfallen hingegen nur 40 Prozent auf Frauen. Anschließend geht die Schere weiter auseinander: Bei den Habilitationen liegt die Frauenquote bei knapp über 20 Prozent. Rund 15 Prozent aller deutschen Professoren sind weiblich - wobei mit Anstieg der Vergütungsgruppen der Frauenanteil jeweils deutlich abfällt.

Frauenförderung soll verbessert werden

Kleiner wandte sich gegen Forderungen nach einer allgemeinen Frauenquote in der Wissenschaft, weil die Nachwuchssituation etwa im Maschinenbau völlig anders sei als in den Sozialwissenschaften. "Wichtig ist jedoch das Umdenken. Chancengleichheit bedeutet Chancennutzung. Denn die deutsche Wissenschaft leidet unter erheblichem Nachwuchsmangel", sagte der DFG-Präsident.

Nach den von der DFG-Jahresversammlung mit großer Mehrheit verabschiedeten "Gleichstellungsstandards" soll die Mittelverteilung innerhalb der Hochschulen künftig stärker auch unter dem Gesichtspunkt der Frauenförderung erfolgen. Die DFG-Einrichtungen legen dabei selbst fest, wie und in welchem Zeitraum der Frauenanteil unter den Nachwuchswissenschaftlern und Professoren gesteigert werden soll. Im Jahr 2013 wird Bilanz gezogen.

DFG sorgt sich um zunehmende Abwanderung

Die DFG ist mit Abstand der größte Organisator und Geldgeber für die Hochschulforschung in Deutschland. 2007 wurden für 21.100 Projekte erstmals deutlich mehr als zwei Milliarden Euro bewilligt - insgesamt 2,167 Milliarden Euro. 62,9 Prozent des DFG-Etats trägt der Bund, die Länder zahlen 36,7 Prozent. 0,4 Prozent kommen aus Stiftungen und von Privatpersonen. Wie Kleiner mitteilte, wird die DFG bald auch in Japan über ein eigenes Kontaktbüro verfügen. Ähnliche Einrichtungen gibt es bereits in China, den USA, Russland und Indien.

Sorge bereitet der DFG laut Kleiner eine zunehmende Abwanderung deutscher Fach- und Führungskräfte ins Ausland wegen unzureichender Karriere- und Bezahlungsperspektiven in Deutschland. Auch falle es wegen der deutschen Besoldungsstruktur immer schwerer, ausländische Spitzenkräfte für die Forschung in der Bundesrepublik zu gewinnen. Die DFG will deshalb die Bezahlung ausländischer Nachwuchsforscher in ihrem Heisenberg-Programm verbessern. (jam/dpa)

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