Forschung : Starke Marke

Die Uni Aachen und das Forschungszentrum Jülich streben jetzt gemeinsam nach weltweitem Ruhm.

Frank van Bebber

Als die Länder sich noch vor einem Ja zum bundesweiten Elitewettbewerb zierten, hielt es der Heidelberger Rektor Peter Hommelhoff für klug, öffentlich über die Flucht der besten Hochschulen in die Obhut des Bundes nachzudenken. Was damals vor allem eine Provokation für selbstbewusste Landesfürsten war, ist heute bei Kollegen Hommelhoffs Programm: Der Rektor der RWTH Aachen, Burkhard Rauhut, und der Chef des nahezu bundeseigenen Forschungszentrums Jülich, Achim Bachem, besiegelten gestern vertraglich eine Partnerschaft. Unter dem Namen Jara-Jülich-Aachen Research Alliance – soll das Bündnis als „starke Marke“ weltweit Furore machen.

Gemeinsam bringen es beide Institutionen auf 11 000 Mitarbeiter und einen Jahresetat von 908 Millionen Euro. „Damit bietet Jara mit die größte Forschungskompetenz in Europa“, erklärten Bachem und Rauhut. In Deutschland rüttelt Jara an Säulen eines Forschungssystems, das säuberlich zwischen Bund und Land sowie hochschul- und außeruniversitärer Forschung trennt. Doch die Säulen zeigen Risse: Der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel, lobte Jara als neue Qualität der Zusammenarbeit. „Das sollte in ganz Deutschland Schule machen“, ermunterte er.

Schon heute steht Jara nicht allein. Im kleineren Maßstab suchen im Zuge des Elitewettbewerbs viele Universitäten nach Partnern in ihrem Umfeld. In Berlin hat Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Idee, Spitzenforschung in einer Superuni zu bündeln. In Karlsruhe präsentierten Technische Universität und das Forschungszentrum Karlsruhe erst im Juli ihren geplanten Zusammenschluss unter dem Kürzel KIT, was für Karlsruhe Institute of Technology steht und absichtlich an die amerikanische Nobelpreisträgerschmiede MIT erinnert. Das KIT soll 8000 Mitarbeiter und ein Budget von 600 Millionen Euro bündeln. „Ja, wir möchten ein Modell sein“, rief der Karlsruher Rektor Horst Hippler Mitte Juli und feierte sich als Vorreiter. Nun tönt Rektorkollege Rauhut in Aachen ebenso: „Jara hat Modellcharakter.“

Der Aachener Uni-Chef will mit seinem Bündnis diesen Oktober schaffen, was Karlsruhe schon 2006 gelang: Den Titel der Eliteuniversität samt 100 Millionen Euro zu erobern. In Runde eins war Aachen noch durchgefallen. Wie wichtig ein Erfolg auch für das Land Nordrhein-Westfalen wäre, wurde gestern deutlich: Nicht in Aachen oder im 30 Kilometer entfernten Jülich, sondern in der Düsseldorfer Staatskanzlei wurde der Vertrag unterzeichnet. Bei Jara wie bei KIT verbündet sich je eine renommierte Technische Hochschule mit einem großen Institut der Helmholtz-Gemeinschaft. Dies ermögliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, sind sich Rauhut und Hippler einig. Für die Bundesforscher bedeutet das den Einstieg in die Lehre. Im Gegenzug können sie dem Nachwuchs einfacher eine Hochschulkarriere bieten. Vor allem aber sagt Rauhut, nur noch so sei Forschung im großen Stil möglich.

Die Konzepte klingen ähnlich. Unterschiede gibt es bei den Machern in Aachen/Jülich und Karlsruhe weniger im Labor als beim Auftreten auf dem politischen Parkett. Die KIT-Macher haben eine Fusion zum Ziel erklärt. Nun hadern sie mit der Bürokratie und fordern Ausnahmen, um Gesetzeshürden zu überwinden. Einen Vertrag gibt es darum noch nicht. Für Jara sagt dagegen Rauhut eine Spur bescheidender, den Anspruch einer Fusion gebe es nicht. Eine mögliche Verschmelzung verschiebt er ins Jahr 2040 oder 2050. „Im Moment geht das gar nicht“, verweist er auf die Bund-Länder-Verhältnisse. Rauhut und Jülich-Chef Bachem wollen so den Widerstand bei Bedenkenträgern und Versäulungsfans in den Ministerien minimieren. In der Praxis freilich starten Jara und KIT ähnlich. Beide forcieren die Zusammenarbeit einer wachsenden Zahl ausgewählter Forschungsfelder. Und schon bald werden sie sich wohl nicht nur darin messen, wer modellhafter ist, sondern sich auch ein in Deutschland ungewohntes Elefantenrennen liefern können: Informationstechnologie und bald auch Energie haben KIT und Jara zugleich in ihrem Portfolio. Frank van Bebber

0 Kommentare

Neuester Kommentar