Forschung : Untersuchung zu vernichteter Bakteriensammlung lässt Bedenken aufkommen

Vernichtung von Proben macht Gesetzgeber besorgt hinsichtlich Sammlungen zu biologischen Forschungszwecken.

Heidi Ledford

Eine Untersuchung des US-Kongresses zur Vernichtung von mehr als 10.000 Proben eines Labors für Infektionskrankheiten hat zu der Forderung nach einheitlichen Richtlinien geführt.

In einer Anhörung des House Committee on Science and Technology am 9. September brachten Abgeordnete ihre Bestürzung über die Vernichtung von Erregerkulturen zum Ausdruck, die von Wissenschaftlern am Veterans Affairs (VA) Medical Center in Pittsburgh, Pennsylvania, zusammengetragen worden waren. Nachdem das dortige Special Pathogens Laboratory 2006 geschlossen wurde, entschieden Verantwortliche, die Proben ohne Vorwarnung zu vernichten, obwohl Wissenschaftler Vorbereitungen trafen, sie in die nahe gelegene University of Pittsburgh zu überstellen.

Die Vernichtung der Proben provozierte einen Aufschrei der mikrobiologischen Gemeinschaft und etwa 250 Wissenschaftler unterzeichneten eine Petition für eine unabhängige Untersuchung der Angelegenheit (siehe Wissenschaftler protestieren gegen die Vernichtung von Erreger-Kulturen) (1). Eine Untersuchung wurde eingeleitet, nachdem die Angelegenheit durch Nature ans Licht gebracht wurde.

Ermittler kamen zu dem Schluss, dass die Motivation zur Vernichtung der Proben aus persönlichen Konflikten zwischen den Forschern und der Klinikleitung entstanden ist. Der demokratische Kongressabgeordnete Brad Miller merkte jedoch auch an, dass das Fehlen klarer Richtlinien am Medical Center die Sammlung ungeschützt ließ, wodurch sie zu einem Pfand bei persönlichen Streitigkeiten werden konnte.

"Derartige Sammlungen dürfen nicht aufgrund der Launen mächtiger Administratoren zum Objekt ähnlicher Vernichtung werden", so Miller. "Es ist an der Zeit, dass das Office of Science and Technology Anstrengungen unternimmt, Leitlinien zu etablieren."

Persönliche Konflikte

Das Special Pathogens Laboratory war auf die Untersuchung von Proben auf Legionella-Bakterien spezialisiert, die eine tödliche Form der Lungenentzündung, die sogenannte Legionärskrankheit verursachen. Das Labor war daran beteiligt, den Zusammenhang zwischen der Erkrankung und kontaminiertem Trinkwasser zu beweisen und hatte im Verlauf von mehr als 25 Jahren über 10.000 Proben von Legionella und anderen Pathogenen angesammelt.

Die Verantwortlichen am Medical Center behaupten, sie hätten die Sammlung vernichtet, da Proben unzureichend beschriftet gewesen seien. Cheryl Wanzie, verantwortlich für die Technik, berichtete, dass etliche Proben unverschlossen und in zerbrochenen Glasbehältern aufbewahrt worden seien. Da das Labor mit infektiösen Pathogenen gearbeitet hatte, die eine potenzielle Gefahr darstellten, wurde entscheiden, solche Proben zu vernichten, bestätigt Mona Melhem.

Die frühere Laborleiterin Janet Stout legte den Untersuchern jedoch einen Katalog der beforschten Proben vor und erklärte, dass die Auflistung der Krankenhausleitung zugänglich gewesen sei. Währenddessen wurde Stout nie durch die Klinikverantwortlichen informiert, dass eine Vernichtung der Sammlung in Erwägung gezogen würde.

Nach der Befragung von Klinikverantwortlichen und Wissenschaftlern kamen die Untersucher zu dem Schluss, dass die Entscheidung, die Sammlung zu vernichten, sehr wahrscheinlich durch persönliche Konflikte motiviert war. Der Mikrobiologe Victor Yu, der ebenfalls im Labor tätig war, protestierte beim VA Central Office gegen die Schließung der Einrichtung. "Man hat es übel genommen, dass ihre Autorität herausgefordert wurde", sagt die republikanische Kongressabgeordnete Dana Rohrabacher. "Ich kann mir vorstellen, welche persönlichen Probleme auftraten."

Allgemeingültige Bestimmungen

Miller sagt derweil, dass der Vorfall in Pittsburgh ein Zeichen dafür ist, dass mit Bundesmitteln geförderte Sammlungen durch Bestimmungen für den Fall geschützt werden müssen, dass Wissenschaftler die jeweilige Institution verlassen. "Es scheint als verfügten viele Labore nicht über schriftlich fixierte Protokolle", sagt er und fügt hinzu, dass sich die Einrichtungen auf Vernunft und Menschenverstand verließen, um das Vorgehen bei Schließung eines Labors festzulegen.

Offizielle der Centers for Disease Control and Prevention und des National Cancer Institute bestätigten, dass ihre Labore bereits über entsprechende Bestimmungen verfügen. "Ich denke, wir verfügen bereits über geeignete Richtlinien, um mit den meisten derartigen Situationen umzugehen", erklärt Jim Vaught vom National Cancer Institute. Er räumte jedoch ein, nur für sein eigenes Institut sprechen zu können und mit den Bestimmungen des Veterans Affairs Medical Center nicht vertraut zu sein.

Eine Arbeitsgruppe wurde bereits mit der Ausarbeitung von Richtlinien für wissenschaftliche Sammlungen beauftragt. Diese Richtlinien wären jedoch für alle Lagerstätten und Proben wie die Mondgesteinssammlung der NASA und historische Artefakte gültig. In seinem Bericht zum Vorfall in Pittsburgh forderte das Komitee spezifische Bestimmungen für biologische Proben.

Laut Stout gibt es keinen Weg, die vernichteten Proben zu ersetzen. "Was mich ermutigt ist die Arbeit, die das Komitee darin investiert, dass so etwas nie wieder passiert", sagte sie.

(1) Snydman, D.R., Anaissie, E.J. & Sarosi, G.A. Clinical Infectious Diseases 46, 1053-1059 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 10.9.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.1096. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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