Forschung : Vatikan verschärft seine Haltung zur Embryonen-Forschung

Proklamation zu Bio- und Reproduktionsmedizin überarbeitet.

Declan Butler

Die römisch-katholische Kirche hat ihre Ablehnung der embryonalen Stammzellforschung in einem Dokument bekräftigt, das die 20 Jahre alte Position zu biomedizinischer Forschung und Reproduktionsmedizin aktualisiert.

Das Dokument Dignitas Personae verurteilt nicht nur embryonale Stammzellforschung und In-vitro-Fertilisation, sondern bekräftigt auch die vielen früheren Positionen, darunter das Verbot des Klonens, um embryonale Stammzellen zu gewinnen, und des Schaffens menschliche-tierischer Chimären durch Klonen.

Die entscheidende Folge des neuen Texts für katholische Wissenschaftler besteht darin, dass zum ersten Mal die Position zurückgewiesen wird, die viele Ethikgruppen einnehmen, dass Wissenschaftler, die mit Gewebe arbeiten, das von Embryonen oder aus Abtreibungen stammt, von jeder Verantwortung freigesprochen sind, da sie nicht direkt mit der Entstehung befasst waren.

„Dadurch wird die Messlatte eindeutig höher gelegt“, sagt John Allen, Vatikanexperte und Autor für den National Catholic Reporter, ein unabhängiges US-Wochenmagazin, das über die katholische Kirche berichtet. Es legt nahe, dass Wissenschaftler, die mit derartigem Material arbeiten sollen, sich entweder „weigern oder kündigen“ sollten, sagt er, und könnte zu härteren Regelungen in katholischen Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen führen.

„Der Vatikan hat ein Recht auf seine theologische Position, doch viele andere Weltreligionen haben eine statthaftere Sicht auf die embryonale Stammzellforschung“, sagt Insoo Hyun, Vorsitzender des International Society for Stem Cell Researcher’s Ethics and Public Policy Committee. Er hinterfragt den Vorschlag des Vatikans, katholische Wissenschaftler sollten nicht länger mit Stammzelllinien arbeiten, die von Embryonen stammen.

„Wenn wir dieser Argumentation der moralischen Mitschuld folgen, wo soll das enden?“, fragt Hyun. „Was ist dann mit Eltern, die zukünftig eine Stammzelltherapie für ihr Kind wollen?“

Gemischte Botschaft

Arbeiten mit adulten Stammzellen, Nabelschnurgewebe oder Stammzellen von Embryonen, die auf natürliche Weise starben, sind moralische akzeptabel, sagt die Kirche.

Zur Frage des Altered Nuclear Transfer (Übertragung eines alterierten Zellkerns), einer neueren kontroversen Technik zur Schaffung Embryonen-ähnlicher Entitäten, die sich nicht zu Babies entwickeln, lässt das Dokument eine Tür offen und sagt lediglich, dass weitere Forschung an Tieren notwendig ist.

Und während Gentherapie gebilligt wird, gilt die Technik als derzeit zu unsicher, erfordert In-vitro-Fertilisation und trägt Züge „eugenischer Denkhaltung“.

Trotz der harten Linie, die die Instruktion einnimmt, lobt sie wissenschaftliche Forschung als „Dienst am Menschen“.

Das Dokument wurde am vergangenen Freitag im Vatikan durch die Glaubenskongregation veröffentlicht. Der Text, dem Papst Benedict zugestimmt hat, gilt als Fortschreibung der Instruktion Donum vitae aus dem Jahr 1987, die von Benedict selbst verfasst wurde, damals noch Kardinal Ratzinger und Vorsitzender der Glaubenskongregation.

Der neue Text bekräftigt, dass die Haltung der Kirche geleitet ist durch das Prinzip, dass menschliches Leben mit der Konzeption beginnt. Dieses Dogma wurde von Papst Pius IX 1869 aufgestellt und beendetet eine über Jahrhunderte geltende Haltung, die durch Thomas von Aquin begründet wurde und davon ausging, dass Embryonen noch keine Seele besitzen und diese erst später in ihrer Entwicklung erlangen.

Dieser Artikel wurde erstmals am 12.12.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.1306. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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