Forschungsförderung der EU : München liegt vor Berlin

Die EU will mit dem Programm "Horizon 2020" verstärkt Forschung fördern, die wirtschaftlich verwertbar ist. Am erfolgreichsten bei der Einwerbung von EU-Mitteln waren bislang München - und mit großem Abstand Berlin.

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Die Münchner Unis und Institute sind in Deutschland am erfolgreichsten, wenn es darum geht, Forschungsmittel von der EU einzuwerben. Sie akquirierten 1,35 Milliarden Euro aus dem am Ende des Jahres ablaufenden siebten EU-Forschungsrahmenprogramm, das 2007 begann. Zweiterfolgreichste Stadt ist Berlin mit 442 Millionen Euro, gefolgt von Heidelberg (291 Millionen), Köln (258 Millionen) und Stuttgart (193 Millionen). Das zeigt eine EU-Statistik zum Drittmittelaufkommen der Regionen.

Vergleicht man die Bundesländer untereinander, liegt Bayern auch als Ganzes vorn (1,8 Milliarden), gefolgt von Baden-Württemberg (1,2 Milliarden). Die Bayern investierten am meisten in die Drittmittel-Akquise bei der EU, sagte Rudolf Strohmeier von der Generaldirektion Forschung der EU-Kommission am Mittwoch in Berlin. So kümmerten sich allein an der TU München acht Vollzeitkräfte um Mittel aus Brüssel. Die bayrischen Hochschulen würden zudem ein eigenes Lobbybüro in Brüssel betreiben.

Zwischen 2014 und 2020 will die EU insgesamt 79 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben. Das entsprechende Programm „Horizon 2020“ hatte das EU-Parlament unlängst nach langen Verhandlungen verabschiedet. Angesichts der Tatsache, dass die EU insgesamt weniger Geld zur Verfügung habe, sei es ein Erfolg, dass die Mittel für die Forschung sogar ein wenig steigen, sagte Strohmeier. Die EU wolle sich noch mehr auf die „gesamte Innovationskette“ konzentrieren, wie Strohmeier sagte – sprich: die Umsetzung von Forschung in Wirtschaftsprodukte soll gestärkt werden. Für „gesellschaftliche Herausforderungen“ wie Energie sind 29,7 Milliarden Euro eingeplant, für industrienahe Forschung wie IT-Technik oder Biotechnologie 17 Milliarden. Für die Grundlagenforschung stehen 24,4 Milliarden Euro zur Verfügung, vor allem der Europäische Forschungsrat (ERC) wird gestärkt. An die Geistes- und Sozialwissenschaften gehen 400 Millionen Euro. Statt große eigenständige Programme für sie aufzulegen, wünscht sich die EU vor allem begleitende geisteswissenschaftliche Expertise in den technologieorientierten Programmen.

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