Forschungsförderung : Gegen Krücken für den Osten

Die Bundesregierung soll keine weiteren speziellen Programme für Forschungseinrichtungen in Ostdeutschland auflegen. Das empfiehlt die „Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)“, die die Bundesregierung berät.

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Vorsitzender ist der Münchener BWL-Professors Dietmar Harhoff. Bundesministerin Annette Schavan verfolgt bislang eine gegenteilige Strategie und legt durchaus Extraprogramme auf: Etwa das mit einer viertel Milliarde Euro dotierte Programm „Spitzenforschung in den neuen Ländern“, mit dem einzelne Standorte gefördert werden, oder die Initiative „Zentren für Innovationskompetenz“. Das dürfte auch eine Kompensation dafür sein, dass die ostdeutschen Universitäten in der ersten Runde der Exzellenzinitiative nur schwach abschnitten.

Die Expertenkommission nennen diese Programme nicht explizit. Doch sie fordern generell ein Ende von Programmen, die nach regionalen Aspekten aufgestellt werden. Vielmehr müssten bundesweit diejenigen Cluster gefördert werden, die bereits innovationsstark sind. Davon würden letztendlich auch die strukturschwachen Regionen profitieren. Anders könne Deutschland im weltweiten Wettbewerb nicht bestehen. Insgesamt sei der Aufbau der Innovationsstrukturen im Osten in den letzten 20 Jahren „beeindruckend“, bilanziert die Kommission.

Über den Bologna-Prozess schreiben die Experten, viele der in ihn gesetzten Hoffnungen der deutschen Politik hätten sich bislang nicht erfüllt. Der Anteil der ausländischen Studienanfänger sinke seit 2002. In Master-Programmen sogar „deutlich“, im Bachelor und im Diplom leicht. „Besorgniserregend“ seien die seit dem Jahr 2000 kontinuierlich wachsenden Abbrecherquoten in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Gelungen sei es auch nicht, mehr Frauen für die „Mint“-Fächer zu rekrutieren, stellen die Autoren, darunter Jutta Allmendinger, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, fest. Zu einer „Dequalifizierung“ des wissenschaftlichen Nachwuchses habe die Reform jedoch nicht geführt. Anderthalb Jahre nach dem Abschluss befänden sich 72 Prozent der Bachelor-Absolventen von Unis, von Fachhochschulen 34 Prozent, in einem weiteren Studium, meist dem Master. Die Zahl der Promovenden sei mit Bologna nicht zurückgegangen.

Statt inhaltlicher und didaktischer Änderungen hätten die Hochschulen besonders im Bachelor meist nur die Strukturen und formale Aspekte verändert. Die Lehrenden seien in den neuen Studiengängen noch stärker belastet.

Der Übergang in den Beruf ist für Bachelor- und Masterabsolventen nicht schwieriger als für die Absolventen der alten Studiengänge, fanden die Experten heraus: „Für alle Absolventen ist der Anteil der Beschäftigungssuchenden auf geringem Niveau sehr ähnlich (zwischen zwei und vier Prozent).“ Die Absolventen der neuen Studiengänge suchten nicht länger nach Arbeit als die der alten und seien auch nicht unzufriedener im Beruf. Die Kommission empfiehlt unter anderem, den Hochschulen mehr Autonomie zu gewähren. Die Hochschulen müssten ihre Spielräume aber auch nutzen.

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