Forschungsinstitut : Stifter spenden Max Planck ein Institut

Für 200 Millionen Euro entsteht in Frankfurt am Main ein neues Institut für kognitive Neurowissenschaften.

Frank van Bebber

Die ehemaligen Pharma-Unternehmer Andreas und Thomas Strüngmann stiften über 200 Millionen Euro, die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ihren guten Namen: In Frankfurt am Main entsteht daraus ein als gemeinnützige GmbH organisiertes Forschungsinstitut. Das nach dem Vater der Stifter benannte Ernst-Strüngmann-Institut widmet sich den kognitiven Neurowissenschaften. Die Kooperation mit der MPG garantiere dabei höchste wissenschaftliche Standards, erklärten die Stifter und MPG-Präsident Peter Gruss bei Unterzeichnung des Kooperationsvertrages.

Stifter und Max-Planck-Gesellschaft benennen auch die Mitglieder des Stiftungsrates, der die Direktoren des Institutes beruft. Diese wiederum werden wissenschaftliche Mitglieder der Max-Planck- Gesellschaft. Gruss nannte es spannend, an einem privaten Institut mitzuwirken, das größtmögliche Flexibilität besitze und unabhängig agieren könne.

Verlockend dürfte aber auch das Geld gewesen sein. Erst jüngst hatte Gruss erklären müssen, ein Physik-Institut in Erlangen werde auf absehbare Zeit die letzte Neugründung sein. Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen klagen seit langem über zu geringe Mittel von Bund und Ländern. Das privat finanzierte Institut in Frankfurt sichere die Teilhabe an der Arbeit von Top-Forschern und exzellenter Wissenschaft, beschreibt MPG-Sprecher Bernd Wirsing den Vorteil für die MPG. „Es stärkt unsere Marke.“

Kommissarischer Leiter des Strüngmann-Institutes ist Wolf Singer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt. Zieht sein Institut in einigen Jahren um, wird das Strüngmann-Institut die alten MPI-Räume übernehmen. Finanziert wird das neue Institut aus den Erlösen der 200-Millionen-Stiftung. Als Vorteil der privaten Finanzierung gilt, dass so eher konkurrenzfähige Gehälter gezahlt werden können, während Max-Planck-Institute an öffentliche Vorgaben gebunden sind. Singer ist schon länger mit den Brüdern bekannt, die ihr Pharma-Unternehmen Hexal 2005 an Novartis verkauft hatten.

MPG-Sprecher Wirsing verweist auf ähnliche Konstruktionen etwa beim „center of advanced european studies and research“ (Caesar) in Bonn, einer privaten Stiftung aus Geld des Bonn-Berlin-Ausgleiches. Auch das geplante „Max Planck Florida Institute“ als erstes ausländisches „Member-Institut“ funktioniere so: Es gelten MPG-Regeln bei Themenwahl, Berufung von Forschern und Qualitätssicherung, das Geld komme aber vom Staat Florida. In Florida und Bonn kommen die Fremdmittel aber noch aus öffentlichen Kassen, in Frankfurt von privaten Stiftern. Frank van Bebber

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