Fototechnik : Künstliches Auge fürs Handy

Biegsame Bildchips können tiefenscharfe Fotos ermöglichen - auch ohne viele Linsen.

Bildchip
Kugelig. Ein gewölbter Bildchip spart viele Linsen im Objektiv. -Foto: Nature

Mit mehr als zehn Millionen Bildpunkten selbst in günstigen Kompaktkameras nähert sich die verkaufsfördernde Pixeljagd ihrem Ende. Auf der Suche nach neuen Ideen für schärfere Fotos könnten die Kamerahersteller schon bald auf gewölbte Bildchips aufmerksam werden. Nach dem Vorbild des menschlichen Auges sollen diese selbst mit einfachen Objektiven brillante Aufnahmen mit größerer Tiefenschärfe ermöglichen. Eine Grundlage dafür legten nun Wissenschaftler von der Universität von Wisconsin in Madison mit flexiblen Lichtdetektoren aus Germanium, die sie in der Fachzeitschrift „Applied Physics Letters“ präsentieren.

„Wenn man ein Foto mit einem gewölbten Bildchip aufnimmt, braucht man nur noch eine einzige Fokussierlinse“, sagt der Entwickler Zhenqiang Ma. Tiefenscharfe Fotos könnten dann auch ohne komplexe Linsensysteme, wie sie heute in teuren Objektiven verwendet werden, gemacht werden. Um das zu schaffen, deponierten Ma und sein Team eine 250 Millionstelmillimeter dünne, lichtempfindliche Schicht aus dem Halbleiter Germanium auf einen flexiblen Kunststoff. Auf dieser Schicht lassen sich durch das gezielte Einsetzen von Fremdatomen zahlreiche Fotodioden auf kleinstem Raum anordnen. In ersten Versuchen wandelten sie einfallende Lichtstrahlen über das gesamte sichtbare Spektrum effizient in messbare Spannungspulse um.

Bis zu einem brauchbaren Fotochip müssen diese Prototypen allerdings noch deutlich verbessert werden. Denn bisher lassen sie sich nur um eine Achse biegen. Um an die Fokussiereigenschaften des menschlichen Auges heranzukommen, sind halbkugelförmige Sensorfolien nötig. Eine solche „hemisphärische“ Detektorfläche schufen bereits vergangenes Jahr Forscher von der Northwestern-Universität in Evanston aus einem flexiblen Gummimaterial. Allerdings war für einen nutzbaren Bildchip die Pixeldichte zu gering. Werden nun beide Ansätze kombiniert, könnten schon im nächsten Jahrzehnt Fotohandys mit gewölbten Bildchips ausgestattet werden. Trotz ihrer schlichten Objektive wären Aufnahmen möglich, für die man heute noch zu Spiegelreflexkameras greifen muss. wsa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben