Französische Wissenschaft : Centre Marc Bloch sieht sich vor dem Aus

Das Centre Marc Bloch fürchtet um seine Existenz. Das 1992 in Berlin gegründete deutsch-französische Forschungszentrum für Sozialwissenschaften ist von Mittelkürzungen des französischen Außenministeriums betroffen.

Amory Burchard

Bereits ab dem ersten Januar könnte kein Geld mehr fließen, fürchtet der stellvertretende Direktor des Zentrums, Daniel Schönpflug. Das Centre Marc Bloch (CMB) hat sich jetzt mit einem dramatischen Appell an den Außenminister und den Botschafter gewandt.

Eine Schließung würde die Rolle Frankreichs und Deutschlands als „Motor der europäischen Integration“ infrage stellen, heißt es in dem Schreiben, das auch als offener Brief verbreitet wird. Zu den zahlreichen prominenten Unterzeichnern gehören Wissenschaftler wie der Historiker Alfred Grosser, Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, sowie die Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Gesine Schwan, die auch Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates am CMB ist. An dem Zentrum arbeiten derzeit 22 französische und deutsche Wissenschaftler sowie etwa 30 Doktoranden.

Der Kulturattaché der französischen Botschaft in Berlin, Jean d’ Haussonville, bestätigte drohende Mittelkürzungen. „Es gibt ein finanzielles Problem mit den kulturellen und wissenschaftlichen Strukturen in Deutschland, die vom Außen ministerium finanziert werden“, sagte d’ Haussonville. Zudem seien die Kürzungsvorgaben aus Paris „weit größer als erwartet“. Die Zukunft des CMB sei jedoch nicht gefährdet. Die Botschaft, das Außenministerium und deutsche Partner des Zentrums schätzten seine Arbeit sehr.

Für das CMB gebe es eine Reihe von Lösungsansätzen. Das Problem sei vor allem die Miete von jährlich 66 000 Euro, die das Zentrum am Schiffbauerdamm in Mitte zahlen müsse. Denkbar sei etwa ein Umzug in Räume des Institut Français am Kurfürstendamm, sagte d’ Haussonville. Er wolle dem CMB jetzt ein „Zeitfenster von sechs Monaten“ zusagen, um eine Lösung zu finden. Allerdings ist das Zentrum bis Ende 2009 vertraglich an den teuren Standort in Mitte gebunden.

Vom Außenministerium erhält das CMB jährlich einen Zuschuss für Miete und Personalkosten von rund 150 000 Euro. Daneben gibt es drei Geldgeber: die staatlich finanzierte Forschungsgemeinschaft Centre national de la recherche scientifique, das französische Forschungsministerium und das Bundesforschungsministerium (BMBF). Die Ko finanzierung des BMBF – immerhin 275 000 Euro im Jahr – macht es dem Centre Marc Bloch seit 2001 möglich, auch deutsche Wissenschaftler zu beschäftigen. Aus dem BMBF hieß es, man werde sich bei der französischen Regierung für die Fortsetzung der Finanzierung einsetzen. Das BMBF werde „sein Engagement für das CMB auf alle Fälle aufrechterhalten“.

Als Kooperationspartner im Gespräch sei seit langem die Humboldt-Universität, sagt Schönpflug. HU-Präsident Christoph Markschies gehört zu den Erstunterzeichnern des offenen Briefs. „Wir werden uns mit allen Kräften für den Erhalt des Zentrums einsetzen“, hieß es am Donnerstag auch aus der HU. Schon heute gibt es Verbindungen, so ist das CMB an der Graduate School of Social Sciences beteiligt, die im Elitewettbewerb erfolgreich war. Und im vergangenen Jahr wurde eine Gastprofessur, die „Chaire Marc Bloch“, eingerichtet.Amory Burchard

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