Wissen : „Frauenquote bei Professuren“ Was Nachwuchsforscher von den Unis fordern

Elke Kimmel

50 000 neue Assistentenstellen und eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent bei der Besetzung von neuen Professuren – so lauten die Kernforderungen von Nachwuchsforschern an die Politik, die sie jetzt in einer „Berliner Erklärung“ veröffentlicht haben. Bei der Einrichtung und Wiederbesetzung von Professuren müssten künftig ganz andere Maßstäbe gelten. Die Zukunft des wissenschaftlichen Nachwuchses sei grundsätzlich gefährdet, wenn die Verantwortlichen in der Hochschulpolitik sich weigerten umzudenken, sagte Lidia Guzy, Postdoktorandin an der Freien Universität Berlin und Organisatorin des Aufrufs.

Vielfach scheiterten selbst überdurchschnittlich qualifizierte Männer und Frauen spätestens in der Phase nach der Promotion. Viele könnten sich nur mühsam über die Runden bringen, klagten junge Wissenschaftler auf der Tagung „Wohin mit uns?“, auf der sie ihre Karriereaussichten diskutierten.

Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin, unterstützte die Forderung der jungen Forscher nach einer verbindlichen Frauenquote. In der Wissenschaft gelte noch immer wie in der Wirtschaft: Je einflussreicher die Position, desto geringer der Frauenanteil. Männliche Netzwerke funktionierten an den Universitäten weiterhin. Auch der Vizepräsident der Technischen Universität Berlin, Jörg Steinbach, schloss sich der Forderung an. Bislang hätten Frauen einfach keine Gelegenheit zu zeigen, dass sie genauso qualifiziert seien wie männliche Mitbewerber.

Kritisch wurde allerdings die geforderte Zahl von 50 000 neuen Assistentenstellen an deutschen Universitäten gesehen. Neue Stellen seien nur dann sinnvoll, wenn man sie mit gezieltem Tenure Track verknüpfe, sagte Christiane Gaehtgens, Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz. Es müsse dafür gesorgt werden, dass junge Forscher an ihrer Universität schlussendlich auch eine Professur erreichen. Rolf Kreibich, Direktor des Instituts für Zukunftsstudien in Berlin, forderte von den Postdoktoranden, auch den außeruniversitären Bereich als Berufsfeld im Auge zu behalten. Schließlich sei absehbar, dass nicht alle eine Professur erreichen würden.

Die Nachwuchswissenschaftler fordern zudem, dass Forscher bei ihren Anträgen auf EU-Förderung institutionell unterstützt werden. Um einen Austausch zwischen den Disziplinen zu gewährleisten, müssten Gutachtergremien interdisziplinär besetzt werden. Elke Kimmel

Die „Berliner Erklärung“ im Internet:

www.geschkult.fu-berlin.de/e/relwiss/VWPostDocKonferenz/12Thesen/index.html

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