Frauenstudium : Die Emanzipation hat Geburtstag

Vor hundert Jahren konnten sich Frauen in Preußen zum ersten Mal an einer Universität einschreiben.

Julia Rothenburg

Frauen und Universitäten: Noch vor 150 Jahren waren das zwei unvereinbare Dinge. Erst 1863 erlaubte Frankreich als einer der Vorreiter in Europa ein Frauenstudium. Andere Staaten folgten, als letzte Preußen und Österreich 1908.

Doch zur vollen Etablierung der Frauen im Wissenschaftsalltag war es noch ein langer Weg. „Noch um 1900 gehörten Hetzschriften gegen Frauen zu Bestsellern“, sagt Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) im Roten Rathaus in seiner Auftaktrede zu „100 Jahre Frauenstudium in Preußen“, einer Veranstaltung, die unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen an Berliner Hochschulen initiiert wurde.

Die Wissenschaftlerinnen zeichneten allerdings ein eher negatives Bild der heutigen Universitätswelt. „Zwar schreiben sich immer mehr Frauen zum Studium ein, aber die Führungspositionen gehen nach wie vor an Männer“, kritisierte Gabriele Kaczmarczyk, Professorin an der Charité Berlin. Und das in allen Fachbereichen, selbst in der Medizin und den Kulturwissenschaften, die sich in den letzten Jahren als „Frauenstudiengänge“ etabliert haben. „In Bremen sind in der Germanistik 83 Prozent der Absolventen Frauen“, sagte die Literaturwissenschaftlerin Romana Weierhausen. „Ihr Anteil unter den Promovierenden liegt nur noch bei 17 Prozent.“ Vor allem sei das darauf zurückzuführen, dass Frauen wissenschaftliche Karrieren mieden und stattdessen sichere Berufe wie das Lehramt bevorzugten. Eine negative Begleiterscheinung sei auch eine Abwertung eben solcher „Frauenberufe“. Das Wort von der „Feminisierung“ in Bildung und Erziehung sei zu einer Art „Horrorszenario“ geworden, sagt Kaczmarczyk. „Da muss ein Umdenken stattfinden.“

Erfreulich sei immerhin, da sind sich die Wissenschaftlerinnen einig, dass das Wort „Gender“ und die damit verbundenen Studien Einzug in die Universitätswelt erhalten haben – und dass Geschlechterfragen ein großes Thema in der Gesellschaft seien. Das Interesse der Geschlechter am Jubiläum des Frauenstudiums war allerdings einseitig. Denn wie die Berliner Wirtschaftswissenschaftlerin Dorothea Schmidt am Ende ihrer Rede bemerkte: „Schade nur, dass keine Männer zu dieser Veranstaltung gekommen sind. Außer Ihnen, Herr Zöllner.“ Julia Rothenburg

Veranstaltungen im Internet:

www.gender.hu-berlin.de

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