Wissen : Freie Fahrt zum  Master GEW will, dass der Bund die Regeln macht

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„Weder Quoten noch Noten“ dürfen den Übergang vom Bachelor zum Master behindern. Das fordert die GEW. Sie verlangt vom Bund, mit einem Gesetz den Bachelors die freie Fahrt in den Master zu sichern. Und sie will, dass Bund und Länder mehr Studienplätze im Master mit ihrem Hochschulpakt 2020 aufbauen, um die „große Bugwelle“ von Bachelors aufzufangen, die in Kürze auf den Master treffen wird. Es müsse einen Rechtsanspruch auf einen Masterplatz geben.

„Immer mehr Studierende bleiben im Nadelöhr zum Master hängen“, sagte Andreas Keller vom Vorstand der GEW am Donnerstag in Berlin. Schon jetzt seien 37 Prozent der bundesweit über 5800 Masterstudiengänge mit einem Numerus clausus belegt, in Berlin sogar 67 Prozent. Das hat die GEW mit Hilfe des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz selbst gezählt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) habe bislang keine ordentliche Statistik über Angebot und Nachfrage vorgelegt, kritisierte Keller. Während die Plätze im Master schon jetzt knapp sind, schwillt die Zahl der Studierenden, die den Bachelor beenden, nach Schätzungen der GEW in Kürze stark an: von 74 541 im Jahr 2009 auf über 137 000 im Jahr 2012. Die Übergangsquote von Uni-Bachelors liegt zur Zeit bei 78 Prozent (FHs: 43 Prozent).

Tatsächlich müssen Bachelors auf dem Weg zum Master mit Hürden rechnen. Hochschulen formulieren Anforderungen, denen keineswegs jeder entsprechen kann. So fordert die Uni Köln für ihren Master „Economics“ mindestens die Note 2,7 aus dem Bachelor. Kommen zu viele Bewerber, macht die Uni Auswahlgespräche. Kommen zu wenig Bewerber mit der Note 2,7, bleiben eben Plätze in „Economics“ leer. Bewerber mit einer 2,8 werden dann trotzdem nicht reingelassen – mag der Mangel an Masterplätzen bundesweit noch so groß sein. In Paderborn reiche für den BWL-Master sogar nur eine 2,0 im Bachelor.

Die Fakultäten mögen es, sich so „die Besten“ auszusuchen. Die meisten Länder haben ihnen (anders als Berlin) dazu auch das Recht eingeräumt. Die Fakultäten benutzen für ihre Auslese neben den Noten jedoch auch noch viele andere unterschiedliche Kriterien, so dass die Lage für Bachelors unübersichtlich ist. Auch die Mobilität wird dadurch eingeschränkt, sogar im gleichen Bundesland. So ist es für Bachelors aus Bielefeld mit Berufsziel Lehrer nicht möglich, den Master in Münster aufzusatteln, sagte der Rechtsanwalt Wilhelm Achelpöhler.

Achelpöhler stellt in einem Gutachten für die GEW fest, der Bund sei nicht nur befugt, das Zulassungschaos im Bachelor zu beenden, sondern auch im Master. Er könnte also die Ausschöpfung der Kapazitäten im Master vorschreiben. Ist die Kapazität ausgeschöpft, könnte der Bund die Hochschulen zu einheitlichen Kriterien bei der Auswahl der Bewerber zwingen. Das schlösse allerdings auch aus, dass eine Uni ihren eigenen Bachelors hilft, einen Platz an der gleichen Uni im Master zu bekommen. Bislang versuchen Unis das, indem sie Zugangsvoraussetzungen formulieren, die auswärtige Studierende kaum erfüllen können. Die GEW hat dafür zwar Verständnis. Dem Mangel an Plätzen sei aber nicht mit individuellen Kriterien zu begegnen, sondern mit dem schnellen Ausbau der Kapazitäten im Master, sagte Keller. Anja Kühne

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