FREIE Sicht : Mehr Geld für unsere Gäste

Von Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität

Besonders viel Aufmerksamkeit hat das Deutsche Studentenwerk mit seinem Bericht zur Internationalisierung des Studiums leider nicht erregt. Dabei sind die Ergebnisse sensationell: 2,8 Millionen Studierende weltweit gehen ins Ausland, deutsche Studierende sind wesentlich mobiler als Studierende anderer entwickelter Staaten. Und zehn Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen sind Bildungsausländer, Tendenz steigend.

Aber wie geht es jenen, die als Gaststudenten zu uns kommen? 85 Prozent mussten ihren Aufenthalt selbst organisieren, 90 Prozent möchten einen Studienabschluss erwerben, aber nur rund 35 Prozent schaffen es.

Das muss besser werden, schon aus Gründen des demographischen Desasters in Deutschland. Und deshalb, weil ausländische Absolventen deutscher Hochschulen später Freunde unseres Landes sind. Freunde aber gehören zu dem Wertvollsten, was eine Nation besitzen kann. Mehr Stipendien werden gebraucht, mehr akademischer Unterricht in der englischen Sprache, aber auch mehr Angebote, die deutsche Sprache schnell und sicher zu erlernen. Wir brauchen vergleichbare Lebensbedingungen für ausländische und deutsche Studierende auf dem Campus, gegen die Vereinsamung. Wir brauchen individuelle Betreuung, Mentoren, auch aus der Studierendenschaft. Freundschaft beginnt zwischen Menschen, bevor sie zwischen Ländern wirksam wird.

Dabei ist alles ganz einfach: Wir brauchen ausländische Studierende. Unterricht und Betreuung ausländischer Studierender ist teurer als die Finanzierung von Studienplätzen für Deutsche. Deshalb, auch als Einstieg in eine Verbesserung aller Studienbedingungen, ein konkreter Vorschlag: Ausländische Studierende werden künftig kapazitär doppelt gezählt. Das heißt: Für 75 Studierende steht nicht, wie jetzt, ein einziger Hochschullehrer zur Verfügung, sondern zwei. Kosten: Insgesamt 460 Millionen Euro mit allem Drum und Dran. Absolventenquote: 100 Prozent. Davon kann man die Kosten für alle ausländischen Studierenden abziehen, die gegenwärtig erfolglos Deutschland verlassen, rund 300 Millionen Euro. Die verbleibenden160 Millionen Euro müssten zusätzlich aufgebracht werden. Resultat: 200 000 erfolgreiche Absolventen aus Deutschland! 200 000 Freunde für 160 Millionen Euro. Das sollte es der KMK wert sein, oder?

Der Autor ist Erziehungswissenschaftler und schreibt jeden dritten Montag über aktuelle Themen und Debatten.

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