Freie Universität : Mit dem Klimawandel zur Elite

Die FU will im Elitewettbewerb jetzt auch mit den Naturwissenschaften punkten. Die Schwerpunkte sollen die Molekularwissenschaften und die Geowissenschaften bilden. Zunächst müssen jedoch 50 Prozent der Professuren neu besetzt werden.

Uwe Schlicht

BerlinDie Naturwissenschaftler an der Freien Universität Berlin (FU) wollen sich um zwei Schwerpunkte herum vollkommen neu aufstellen: um die Molekularwissenschaften und die Geowissenschaften. In den Molekularwissenschaften werden Chemie, Physik, Mathematik, Informatik, Pharmazie, Medizin und Veterinärmedizin unter einem großen Thema gefordert. In den Geowissenschaften geht es um so große Themen wie den Klimawandel, die Atmosphäre, das Sonnensystem, die Lebensräume, Nachhaltigkeit und Gefahren in der Umwelt und die Ressourcen, die auf der Erde noch zur Verfügung stehen.

Für die ersten beiden Runden des Elitewettbewerbs unter den deutschen Universitäten kommt diese Neuorientierung allerdings zu spät. Große Forschungsvorhaben und Programme für die Doktorandenausbildung in den Geistes- und Sozialwissenschaften wurden in diesem und auch schon im vergangenen Jahr aufgefordert, sich mit ausführlichen Anträgen um Förderung in Millionenhöhe zu bewerben. Die Naturwissenschaften aber gingen bislang leer aus.

Diese negativen Ergebnisse seien eine „kalte Dusche“ gewesen, sagte kürzlich Hans-Uwe Erichsen, Vorsitzender des Kuratoriums der FU, bei einer Sitzung des Aufsichtsgremiums. Diese Kritik traf die Uni ins Herz. Denn nach wie vor sind die Naturwissenschaften beachtliche Leistungsträger: Sie stellen sieben Leibnizpreisträger und verantworten vier Sonderforschungsbereiche, vier weitere werden vorbereitet. Und die Naturwissenschaftler sind an dem Forschungszentrum Matheon beteiligt, in dem zwar die Technische Universität federführend ist, aber die FU und die Humboldt-Uni mitwirken.

Aber an der FU werden in den Naturwissenschaften bis zu 50 Prozent der Professuren wegen des Generationswechsels neu besetzt. Die große Erneuerungswelle unter den Professoren hat besonders die Physiker und Biologen erreicht. Hinzu kommt: Die Naturwissenschaftler haben im Elitewettbewerb mögliche Kooperationen mit der Industrie vernachlässigt. Problematisch war wohl auch die Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität. Staatssekretär Gerhard Husung und FU-Präsident Dieter Lenzen wollten aber nichts von Schuldzuweisungen hören. Künftig sollten die Naturwissenschaftler die enorme Breite des Angebots von Forschungsinstituten und Hochschulen in der Region Berlin-Brandenburg konsequent für die Entwicklung von gemeinsamen Projekten nutzen, sagte Lenzen. Diskutiert wird auch, am Sitz der FU in Dahlem ein Gründerzentrum einzurichten.

Anerkennung für das neue Konzept, die Naturwissenschaften auf Molekular- und Geowissenschaften auszurichten, zollte Karl-Heinz Hoffmann, ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrats und Mathematiker an der Uni München. Auch an den beiden Münchner Hochschulen, die in der ersten Wettbewerbsrunde den Elitestatus errangen, habe es erheblich geknirscht, ehe sie sich auf die Zusammenarbeit bei gezielt gesetzten Schwerpunkten verständigen konnten. Uwe Schlicht

0 Kommentare

Neuester Kommentar