FU-Studie : Der Bachelor – besser als befürchtet

Der Bachelor steht in der Kritik – doch an der FU Berlin beurteilen ihn Absolventen in vielen Aspekten besser als die alten Studiengänge. Das ergibt eine Umfrage unter ehemaligen Studierenden, die unlängst im Akademischen Senat vorgestellt wurde.

Tilmann Warnecke

So bewerten Bachelor-Absolventen die fachlichen Qualität und den Forschungsbezug der Lehre höher als Magister- und Diplom-Absolventen. Für den Bachelor seien durchaus „erfreuliche Tendenzen“ zu sehen, sagte Studienleiter Frank-Uwe Fuhrmann bei der Präsentation der Ergebnisse. Allerdings zeigt sich, dass es vor allem an der Organisation der Prüfungen hapert.

An der Umfrage nahmen knapp 1200 ehemalige Studenten teil, die 2007 ihren Abschluss machten und ein Jahr später gefragt wurden, wie sie ihr Studium im Rückblick bewerten. Von den Befragten waren noch 84 Prozent in den alten Studiengängen eingeschrieben, 16 Prozent machten damals einen Abschluss im neuen Studiensystem. Die gemeinsam mit anderen Hochschulen entwickelte Umfrage wurde zum ersten Mal durchgeführt.

Quer über alle Abschlussarten lobten die Studenten die fachliche Qualität ihres Studiums an der FU. Für gut oder sehr gut hielten diese acht von zehn Bachelor-Absolventen, geringfügig niedriger lag die Zustimmung beim Magister (76 Prozent) und beim Diplom (74 Prozent). Deutlich besser klappte in den neuen Studiengängen der Kontakt mit Kommilitonen und Lehrenden. 54 Prozent der BA-Absolventen sagten hier, sie konnten sich gut oder sehr gut mit ihren Dozenten austauschen. In den alten Studiengängen lag diese Quote bei unter 40 Prozent.

Der Bachelor schnitt auch in einigen Kategorien besser ab, bei denen nach den wissenschaftlichen Elementen des Studiums gefragt wurde. 60 Prozent der BA-Absolventen lobten die Aktualität der vermittelten Methoden (Magister: 47 Prozent). Die Bachelors fühlten sich deutlich besser darin unterrichtet, wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen. Immerhin knapp die Hälfte vergab für den Forschungsbezug der Lehre überdurchschnittliche Noten, der Bachelor lag dabei erneut knapp vor Magister und Diplom. Diese Befunde dürften einige Kritiker überraschen, die die vermeintlich fehlende Wissenschaftlichkeit der neuen Studienangebote beklagen. Andererseits vermissten sehr viel mehr Bachelor-Absolventen als Kommilitonen mit anderen Abschlüssen fachliche Vertiefungsmöglichkeiten.

Studienleiter Fuhrmann erklärte, viele Fächer hätten offensichtlich doch eine gute Arbeit beim Bachelor geleistet. Womöglich neigten Bachelor-Studierende aber auch dazu, „positiver wahrzunehmen, was um sie herum passiert“. So urteilten sie besser über Bibliotheken und EDV – obwohl sie die gleichen Ressourcen nutzen wie die anderen Studenten.

Als Schwachpunkt des Bachelors erwies sich das System der Prüfungen. Damit waren nur 28 Prozent zufrieden (Magister: 38 Prozent, Diplom 44 Prozent). Dass die Professoren in den neuen Studiengängen zu viele Prüfungen ansetzen, war einer der zentralen Kritikpunkte bei den Studentenprotesten im Herbst. Ein gemischtes Urteil fällten die FU-Absolventen über die restliche Organisation. Zwar hielten es Studierende in den neuen Studiengängen für einfacher, Lehrveranstaltungen zeitlich zu koordinieren (53 Prozent votierten mit gut/sehr gut, Magister und Diplom 47 Prozent). Und auch beim Aufbau des Studiums liegt der Bachelor vor dem Magister. Es gaben aber nur 38 Prozent der BA-Absolventen gute und sehr gute Noten (Magister 33 Prozent). Das Diplom (50 Prozent gut/sehr gut) schnitt hier besser ab. Tilmann Warnecke

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