Führungsvakuum : Kein Wort, kein Nicken

Dieter Lenzen schweigt im FU-Kuratorium

Uwe Schlicht
312838_0_8d90a6fe.jpg
Foto: Kai-Uwe Heinrichddp

Das Kuratorium der Freien Universität drängt auf Eile. Das Führungsvakuum, das durch die Wahl von Dieter Lenzen zum Präsidenten der Hamburger Universität entstanden ist, soll möglichst schnell überwunden werden. Noch hat sich Lenzen nicht entschieden, ob er die Wahl annehmen wird. Bei der gestrigen Kuratoriumssitzung äußerte sich Lenzen nicht, sondern verfolgte die Überlegungen der Gremienmitglieder schweigend.

Hans-Uwe Erichsen, der Vorsitzende des Kuratoriums, hat vorrangig ein Interesse: Die FU, die in der letzten Runde des Exzellenzwettbewerbs in die Elite aufgerückt ist, soll sich durch ein Vakuum in der Führung die Chancen auf eine Bestätigung des Elitestatus nicht verderben. Vor dem Kuratorium erklärte er, für den Erfolg in der dritten Förderlinie des Exzellenzwettbewerbs sei es „nicht unwichtig, wie die Freie Universität ihre Handlungsfähigkeit demonstriert“. Im April 2010 müssten die Projekte für Forschungscluster und Graduiertenschulen bei der DFG eingereicht werden. Schon für die Vorbereitung der Anträge müsse „möglichst schnell eine aktionsfähige Hochschulleitung“ bereit stehen.

Vor diesem Hintergrund hat Erichsen eine Ermächtigung zur Ausschreibung des Amtes durch das Kuratorium gefordert. Erichsen machte deutlich, dass diese Ausschreibung nicht nur national, sondern auch international erfolgen müsse. Das sei die FU ihrem Ruf als internationale Netzwerkuniversität schuldig. Erichsen sprach die Erwartung aus, dass die Ausschreibung einen Kreis herausragender Persönlichkeiten erreichen müsse. Den Ausschreibungsvorschlag will Erichsen unter den Kuratoriumsmitgliedern im schriftlichen Umlaufverfahren abklären, damit die Ausschreibung noch im Januar über die Bühne gehen könne. Sechs Wochen später, im Februar, soll eine gemeinsame Findungskommission von Mitgliedern des Akademischen Senats und des Kuratoriums aus den Bewerbungen die Kandidaten aussuchen.

Die Findungskommission hält Erichsen für notwendig, weil zwei Gremien ein Vorschlagsrecht für die Präsidentenwahl besitzen: der Akademische Senat und das Kuratorium. Staatssekretär Gerhard Husung unterstützte diesen Verfahrensvorschlag mit dem Argument, nichts wäre schlimmer, als wenn der Akademische Senat und das Kuratorium über die künftige Leitung völlig konträre Vorstellungen hätten. Das könne eine Findungskommission vermeiden. Erichsen machte deutlich, dass für die Wahl des Präsidenten auch mehrere Kandidaten aufgestellt werden könnten.

Er betonte, man müsse Lenzen für seine Verhandlungen in Hamburg Zeit lassen, damit er nicht in ein schwarzes Loch hinein springe. Lenzen habe ihm versichert, das er eine Entscheidung in absehbarer Zeit treffen werde und keine bewusste Verzögerung beabsichtige. Lenzen reagierte darauf weder mit einer Äußerung noch mit einem Nicken. Das Kuratorium erteilte in einem einstimmigen Beschluss Erichsen die Vollmacht, die Ausschreibung für das Präsidentenamt vorzubereiten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar