Wissen : FU rückt näher an ihre Nachbarn Neue Kooperationen mit Instituten geplant

von
Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Die Freie Universität will enger an die renommierten außeruniversitären Institute in Dahlem heranrücken – davon spricht FU-Präsident Peter-André Alt schon seit einiger Zeit. Jetzt soll die Idee des „Forschungscampus Dahlem“ konkreter werden: Soeben trat Alt mit vier Repräsentanten außeruniversitärer Institute aus der FU-Nachbarschaft vor die Presse.

Alt hofft, zeitnah „mehrere hundert“ Dozenten von den außeruniversitären Instituten für die Lehre an der FU gewinnen zu können. Das wünscht sich deren wissenschaftlicher Nachwuchs ohnehin. Denn Lehrerfahrung zu sammeln ist „ein karrierebildender Schritt“ auf dem Weg zur Professur, wie Ute Frevert, Geschäftsführende Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, sagte. Zugleich könnten die Institute auf diese Weise bereits durch ihren Nachwuchs mit der Uni „verklammert“ werden.

Die Universitäten öffnen ihre Seminare den Dozenten von außen trotzdem nur zögernd. Sie müssen befürchten, dass jede zusätzliche Kraft wegen der Kapazitätsverordnung sofort dazu führt, dass sie mehr Studierende aufnehmen müssen, sogar auf Dauer. Alt hat darum ein Rechtsgutachten bei einem FU-Professor in Auftrag gegeben. Demnach könnten die Dozenten dann kapazitätsneutral eingestellt werden, wenn sie maßgeblich vom Bund bezahlt werden. Ein Risiko, dass sich Studierende dennoch einklagen, kann Alt zwar erkennen, aber er will es eingehen. Jürgen Renn, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, findet es gut, „dass die FU die Hindernisse nicht als gegeben hinnimmt, sondern sie überwinden will“.

In der Forschung soll die Zusammenarbeit auf allen Ebenen „intensiviert und systematisiert“ werden: in der Graduiertenförderung, bei den Nachwuchsgruppen, bei Berufungen von Juniorprofessoren, in neuen „Joint Labs“. Die Kooperation zwischen der FU und außeruniversitären Forschern im Cluster „Languages of Emotion“ soll nach 2017 in einem großen Berliner Zentrum fortgeführt werden. Vorbild ist das gerade gegründete Antikenkolleg, in dem eines Tages das Cluster „Topoi“ aufgehen soll.

Immer wieder lobten die Vertreter der in Dahlem ansässigen Institute die kurzen Wege: Per Fuß könne er zu seinen Studierenden an der FU kommen, sagte Martin Vingron, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik. Im Campus sei sein Institut bestens „interdisziplinär eingebettet“ und werde so „extern bereichert“. Auch in virtuellen Zeiten sei es ein Standortvorteil, „einfach nur über den Zaun zu klettern“, um mit seinen Kollegen persönlich sprechen zu können, sagte Alt.

Dazu müssten die Dahlemer Institute mit ihren insgesamt 8700 Beschäftigten aber nicht durch ein starres „Dach“ verbunden werden. Alt denkt mehr an ein „Netzwerk“, das „offen und ergänzungsfähig“ auf die schnellen Entwicklungen in der Forschung reagieren kann – mit immer neuen Kooperationen, die die anderen beiden Unis Berlins natürlich mit einschließen, wie Alt und Frevert betonten: „Es gibt keine closed shops.“ Anja Kühne

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben