Wissen : Fußballspiel als Labor

Die „FU Fighters“ beherrschen den Hochschuss

Paul Janositz

Experimentierfreudig sind sie wahrlich, die Manager der „FU Fighters“. Jedes Jahr stellen die Informatiker der Freien Universität Berlin eine komplett neue Fußballmannschaft aufs Spielfeld. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Unter Führung von Professor Raul Rojas sind sie mehrfach Welt- und Europameister und noch öfter Deutscher Meister geworden.

Letztes Jahr im japanischen Osaka triumphierten sie gleich in zwei Klassen. Im Endspiel der Small Size League mit bis zu 18 Zentimeter großen Robotern wurde Angstgegner „Big Red“ von der New Yorker Cornell Universität mit 4:0 vom Platz gefegt. In der Middle Size League mussten sich die FU-Fighters nur knapp mit 3:2 gegen Titelverteidiger „Eigen“ von der japanischen Keio-Universität geschlagen geben.

Dieser Vize-Titel zählt besonders viel, da auf dem fünf Mal zehn Meter großen Feld jeweils vier vollkommen autonom agierende Roboter spielen und das ist eine besondere Herausforderung für praktizierte Künstliche Intelligenz. In der Königsklasse des Roboterfußballs müssen die bis zu 50 Zentimeter großen, zweirädrigen Spieler alle notwendigen Sensoren einschließlich Notebook selbst an Bord haben. Die kleineren Systeme, die Small-Size-Roboter, haben das Computer-Gehirn neben den Spielfeldrand ausgelagert. Das Auge ist eine Videokamera, die die Spielszenen übermittelt.

Die Kicker aus Blech, Pappe, Gummi und Silizium werden von Studenten der Projektgruppe „RoboCup“ gebaut und programmiert. „Fußballspiel ist für uns wie ein Labor“, sagt Rojas. Die Roboter sollen lernen, sich untereinander zu verständigen. Sie müssen die Umgebung erkennen. Jeder Spieler muss wissen, was die anderen tun.

Stets wird auch an der Technik gefeilt. Knackpunkt ist derzeit der Hochschuss. Wer den Ball gut über die Verteidigung zirkeln kann, ist schnell auf der Siegerstraße. Lange haben die FU-Fighters an diesem Problem getüftelt. Sollte man den Ball eher von oben treffen, wie es Billardspieler tun. Dann entschied man sich für den Drive von unten. „Das hat sich als besser berechenbar herausgestellt“, sagt Rojas. Die kleinen FU-Roboter beherrschen den Hochschuss bereits perfekt. „Nun werden die anderen Teams unsere Technik kopieren“, vermutet Rojas.

Fraglich ist allerdings, ob das bis zur diesjährigen RoboCup-WM in Bremen (14. bis 20. Juni) gelingen wird. An der FU wird derweil energisch daran gearbeitet, auch den mittelgroßen Robotern den Hochschuss beizubringen. Zudem sollen sie noch schneller werden. Dann, so ist Rojas überzeugt, werden die FU-Fighters auch in dieser Klasse den Titel holen.

Ob das auch Michael Ballack und Co. schaffen werden? Eindeutiger Favorit sind die deutschen Nationalkicker nicht. Ganz anders das „German Team“, das in Bremen im Wettbewerb der Aibo-Roboterhunde an den Start geht. Die Mannschaft, ein Zusammenschluss von HU Berlin und TU Darmstadt sowie der Universitäten Dortmund und Bremen, ist Titelverteidiger. Ihre Vierbeiner erwiesen sich mit 50 Zentimeter pro Sekunde als die Schnellsten ihrer Klasse. Den ersten großen internationalen Auftritt hatten in Osaka auch die zweibeinigen Fußball-Roboter, mit denen das „NimbRo“-Team der Universität Freiburg Vizeweltmeister wurde. Die 60 Zentimeter großen Automaten könnten in Bremen zur Attraktion werden, sind sie doch Kickern aus Fleisch und Blut am ähnlichsten.

Und wann werden Roboter einmal Ballack und Co. herausfordern können? Den oft genannten Termin von 2050 sieht Rojas als unrealistisch an. „Wir wissen noch nicht genug vom Menschen, um einen solchen Roboter bauen zu können.“ Es werde noch lange dauern, bis man eine solche Maschine mit menschlichen Eigenschaften nachbilden könne. „100 oder 200 Jahre, genauer kann ich es nicht sagen“, sagt Rojas.

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