Future Medicine : Die Unterschiede beachten

Ob ein Medikament wirkt, hängt mitunter von der Herkunft eines Menschen ab. Die Genetik könnte helfen, meint Eimear Kenny.

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Muster im Erbgut. Eimear Kenny beschäftigt sich mit Biogeografie.
Muster im Erbgut. Eimear Kenny beschäftigt sich mit Biogeografie.Foto: Thilo Rückeis

Das Erbgut verrät nicht nur Details über einen bestimmten Menschen. Es enthält auch Informationen darüber, wo die Familie und entfernte Verwandte einst herkamen. Die Muster genetischer Unterschiede zwischen den Populationen nutzen die Forscher um Eimear Kenny von der Icahn School of Medicine am Mount-Sinai-Krankenhaus in New York unter anderem, um Fragen zur menschlichen Evolution und Geschichte zu klären. So gibt es auf den Salomonen in der Südsee indigene Menschen mit dunkler Haut und auffallend blonden Haaren. Kenny und ihre Kollegen zeigten, dass das Gen für diese blonden Haare nicht etwa durch europäische Händler weitergegeben wurde. Vielmehr ist eine völlig andere Genvariante als in Europa dafür verantwortlich – das blonde Haar entstand also in Europa und in der Südsee unabhängig voneinander.

Genetische Informationen, die ganze Populationen betreffen, könnten auch das Gesundheitssystem verbessern, sagte Kenny auf dem Kongress „Future Medicine“ in Berlin. Insbesondere in den letzten 400 Jahren seien die Menschen massenhaft in alle Himmelsrichtungen gewandert, mehr als die Hälfte der Menschen lebe nun in ethnisch vielfältigen Großstädten. „Wenn sie in eine Klinik gehen, muss der Arzt wissen, welche Besonderheiten eine Gruppe mit einer bestimmten Herkunft aufweist“, sagte Kenny.

Eine Entscheidungshilfe für den Arzt

Ein Beispiel sei der Blutverdünner Clopidogrel. „Patienten aus Ostasien und Polynesien können ihn nicht so gut umwandeln. Er hilft ihnen also auch nicht bei Herzkrankheiten oder einem Schlaganfall. Sie brauchen ein anderes Mittel.“ Unter Iren dagegen gebe es häufig Hämochromatose, ein Leiden, bei dem der Körper zu viel Eisen speichert. „Diagnose, Behandlung und Prognose hängen oft von spezifischen Informationen zu einer Population ab“, sagte Kenny. Manche davon seien recht bekannt. Von anderen habe kaum ein Arzt gehört.

Die Genetik könne ihn entlasten, meinte sie. Denn man könne aus den Genen schließen, ob jemand zum Beispiel spanische oder irische Vorfahren habe. Verbinde man diese biogeografische Information mit einer Datenbank, die die Eigenheiten genau jener Population auswertet, sei das eine Entscheidungshilfe für den Arzt in der Klinik.

Am 7. November fand in Berlin der „Future Medicine“-Kongress des Tagesspiegels und des Berlin Institute of Health statt. In dieser Serie berichten wir über herausragende Vorträge auf dem Kongress.

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