"Galaxy Zoo" : Hobbyforscher helfen Astronomen

Computer können vieles besser und schneller als Menschen. Deshalb werden sie fast überall eingesetzt. Manchmal geht die Entwicklung aber auch in die entgegengesetzte Richtung.

Ralf Nestler
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So sieht’s aus. Die Internetnutzer beschreiben die Gestalt von Galaxien. -Foto: dpa

Beim Internetprojekt „Galaxy Zoo“ helfen Hobbyastronomen bei der Klassifizierung von Himmelsobjekten – und keine Hochleistungsrechner: Via Internet bekommen die Freiwilligen Fotos von fernen Galaxien nach Hause geschickt und müssen entscheiden, ob die Objekte beispielsweise elliptisch sind oder einer Spirale ähneln. Diese Einschätzung erscheint simpel, doch für Computer ist sie eine schwierige Herausforderung.

Seitdem die Kooperation britischer und amerikanischer Universitäten im Juli 2007 online ging, war das Projekt ein Erfolg: Mehr als 150.000 Helfer machten mit und konnten unter anderem belegen, dass es bei der Rotation von Galaxien keine Vorzugsrichtung gibt. Die Bewegung im Uhrzeigersinn ist genauso häufig wie entgegengesetzt. Für die Verfeinerung kosmischer Theorien ist das eine wichtige Information.

Nachdem sich gezeigt hatte, wie effektiv die Gemeinschaft der Hobbyforscher arbeitet, gehen die Initiatoren nun einen Schritt weiter. Fortan sollen alle Nutzer weitere Merkmale der Himmelsobjekte herausarbeiten: Hat die Galaxie im Zentrum eine Beule, ist diese eher rund oder eher eckig? Liegen die Spiralarme, sofern vorhanden, eng am Zentrum oder ragen sie lose ins All? Dass jeder Einzelne für das gleiche Foto geringfügig unterschiedliche Antworten finden wird, sei kein Problem, betonen die Organisatoren. Zum einen gibt es auf der Webseite eine Art Teststrecke, wo man seinen kosmischen Blick trainieren kann. Zum anderen hilft die Statistik. Jedes der rund 250 000 Fotos, die automatisch von einem Teleskop im US-Staat New Mexico aufgenommen wurden, soll von mehreren Hobbyastronomen begutachtet werden, um so die wahrscheinlichste Analyse zu erhalten.

Vielleicht gibt es bei dem neuen Projekt einen ähnlichen Durchbruch wie in der ersten Version von Galaxy Zoo. Eine niederländische Lehrerin entdeckte auf einem Bild ein blaues Gebilde und fragte ihre Online-Kollegen: Was ist das?! Damals konnte keiner die Frage beantworten. Heute ist klar, dass Hanny van Arkel eine superheiße Gaswolke entdeckt hatte, die zu einer neuen Klasse von Himmelskörpern gehört. Ralf Nestler

Das Projekt im Internet: www.galaxyzoo.org

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