Gastbeitrag zur Hochschulpolitik : Starke Hochschulen für ein starkes Berlin

Wie geht es nach der Wahl weiter mit den Berliner Hochschulen? Der CDU-Wissenschaftsexperte Christian Hausmann beschreibt seine Vorstellungen

Christian Hausmann
Christian Hausmann, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.
Christian Hausmann, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.Foto: promo

Wie geht es in der kommenden Legislaturperiode weiter mit Berlins Hochschulen? Der Tagesspiegel veröffentlicht in loser Folge die Vorstellungen der Hochschulexperten der aktuell im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien.

Wissenschaft und Forschung bilden die Grundlage für Berlins Zukunftsfähigkeit. In einem rohstoffarmen Land ist Forschung die beste Investition in die Zukunft. Berlin ist ein führender Wissenschaftsstandort. Diesen gilt es zu stärken und weiter ausbauen. Berlin soll Entwicklungslabor für Produkte und Dienstleistungen von morgen werden.

Die 2009 vom Land Berlin gegründete Einstein-Stiftung ist ein wesentlicher Baustein, Wissenschaft und Forschung auf international hohem Niveau zu fördern, zu vernetzen und neue Forschungsfelder zu generieren. Aufbauend auf diese Erfolgsgeschichte setzen wir uns für den weiteren Ausbau der Einstein-Stiftung ein. Außerdem belegen Berliner Universitäten und Fachhochschulen sowie die Charité regelmäßig Spitzenplätze in Hochschulrankings. Wir wollen diese Spitzenposition in Forschung und Lehre ebenfalls sichern und konsequent ausbauen.

Gute Universitäten und Fachhochschulen sind auch für einen gesunden Wirtschaftsstandort unerlässlich. Schließlich sind die Studenten potenzielle Entwickler, Forscher, Gründer und Unternehmer. Deshalb werden wir die Unabhängigkeit der Wissenschaft sichern, Rahmenbedingungen verbessern und Exzellenz fördern. Außerdem setzen wir verstärkt auf Kooperationen mit ausländischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, um den internationalen Austausch von Ideen und Talenten intensivieren.

Als wachsender Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort muss sich Berlin im internationalen Wettbewerb behaupten können. Das geht nur mit hochqualifizierten Beschäftigten. Wir wollen daher langfristig 100 zusätzliche „IT-Professuren“ für Fachgebiete wie IT, Datensicherheit, E-Commerce und Entrepreneurship schaffen. Bereits im Doppelhaushalt 2016/2017 haben wir uns dafür eingesetzt, in einem ersten Schritt aus ehemaligen Bafög-Mitteln 12 Millionen Euro für 40 Professorenstellen für die Universitäten und Hochschulen zur Verfügung zu stellen.

Arbeitsplätze in Berlin schaffen

Da Berlin wächst, sind weiterhin viele und gute Arbeitsplätze notwendig. Aus unserer Sicht haben die Hochschulen das größte Wachstumspotenzial, da Wissenschaft und Forschung die Innovationsprozesse fördern und eine große Anziehungskraft auf hochqualifizierte Wissenschaftler, Gründer sowie technologieorientierte Unternehmen haben. Daher werden wir die Hochschulen unterstützen, Arbeitsplätze in der Berliner Wirtschaft zu schaffen.

Gerade für innovative Unternehmen sind häufig die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und die Medizin wichtig. Diese sollen weiter konsequent gestärkt werden. Aber auch die profilbildenden Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften sollen erhalten bleiben, da sie sich durch besondere Forschungsstärke auszeichnen und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kulturen der Welt leisten.

Gute Rahmenbedingungen benötigen auch die Studierenden. Nach Jahren der Erhöhung der Studentenzahlen geht es nun um eine gute Betreuung durch Professorinnen und Professoren, verlässliche Karrierewege für den wissenschaftlichen Nachwuchs und bezahlbaren studentischen Wohnraum in der Nähe des Campus. Um das Studieren zu erleichtern, soll künftig mindestens eine Universitätsbibliothek, die die wesentlichen Fachbereiche abdeckt, rund um die Uhr geöffnet sein.

Die Hochschulen brauchen eine leistungsstarke IT-Infrastruktur

Zu einem attraktiven Hochschulstandort gehören zudem intakte Lernorte. Den hohen Instandhaltungsstau an den Gebäuden wollen wir deshalb beseitigen. So gilt es, den begonnenen baulichen Modernisierungsprozess der Charité konsequent fortzusetzen und dabei die Ausgewogenheit der drei Hauptstandorte sicherzustellen.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist eine leistungsstarke IT-Infrastruktur an den Berliner Hochschulen. Sie ist Voraussetzung, um etablierte Wissenschaftler und wissenschaftliche Nachwuchskräfte im Bereich der Digitalisierung unterstützen zu können. Wir wollen den Ausbau vorantreiben, um die Vernetzung und einen zügigen Technologie- und Know-how-Transfer zwischen Hochschulen, Forschungsinstituten und der digitalen Wirtschaft zu ermöglichen.

Basis des Erfolgs sind die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaftler sowie die Selbständigkeit der Wissenschaftseinrichtungen. Dafür muss die Grundfinanzierung unserer Hochschulen aus dem Landeshaushalt ausgebaut werden. Durch die Übernahme des Bafög durch den Bundeshaushalt werden zusätzliche Mittel frei. Diese können den Berliner Hochschulen zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu Gute kommen. Ferner gilt es, ihre Autonomie durch die Weiterentwicklung der Hochschulverträge zu sichern. Wir wollen einen Innovationsfonds ins Leben rufen, der den Hochschulen bei der Einwerbung von Drittmitteln helfen soll. Dadurch erhoffen wir uns, die Exzellenz zu verstetigen und die eingeworbenen Mittel auf die Forschung konzentrieren zu können.

Der Autor ist wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

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