Wissen : Gastprofessoren

Viele Wissenschaftler kehrten an die FU zurück

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„Die Freie Universität ist die einzige deutsche Universität, die ausländische, namentlich amerikanische Wissenschaftler mit offenen Armen empfängt,“ schrieb der amerikanische Bildungsexperte Franz L. Neumann in seinem Bericht über die gerade gegründete Freie Universität für das amerikanische State Department. Neumann hatte die Freie Universität bereits im Dezember 1949 besucht. Gleichzeitig war der zweite Rektor der Freien Universität, der Kunsthistoriker Edwin Redslob, zu Besuch bei dem Präsidenten der ColumbiaUniversität, General Dwight D. Eisenhower. Redslob war nach Kriegsende der erste deutsche Hochschulrektor, der die Vereinigten Staaten besuchte. Nach Redslobs Besuch beschloss der Studentenrat der New Yorker Columbia-Universität Ende Februar 1950, die Hälfte der von ihrer Universität für den Fonds des Weltstudentendienstes aufgebrachten Mittel ausschließlich der FU vorzubehalten.

Seit den fünfziger Jahren besuchten viele emigrierte Wissenschaftler die Freie Universität als Gastprofessoren. Im Sommersemester 1952 waren fast ein Zehntel der ordentlichen Professoren Gastprofessoren, nämlich 26, die teilweise aus amerikanischen Stipendien finanziert wurden. „Die Beziehung zwischen Austauschprofessoren und Studenten ist im Großen und Ganzen unendlich viel enger als die zwischen den FU-Professoren und den deutschen Studenten“, formulierte Neumann pointiert. Die Aufbruchsstimmung an der Freien Universität war maßgeblich von Exilanten wie dem bedeutenden Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel, dem Theologen Paul Tillich, dem Pädagogen Robert Uhlich, dem Historiker Hans Rosenberg und vielen anderen geprägt. Hierfür sorgten auch verschiedene FU-Rektoren, die selbst vor dem Nationalsozialisten ins Exil geflohen waren wie die beiden Juristen Ernst Eduard Hirsch und Ernst Heinitz. Hirsch hatte in der Türkei das Urheberrecht und das Handelsgesetzbuch reformiert und leitete die Freie Universität von 1953-1955. Sein Kollege Heinitz lebte bis 1948 in Italien, wo er als Lehrbeauftragter und Anwalt tätig war. An der FU war Heinitz, der 1998 hoch betagt starb, von 1961 bis 1963 als Rektor tätig. fva

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