Wissen : Geburtshelfer Klaus Vetter verabschiedet

Rund 71 000 Berliner Kindern haben er und sein Team auf die Welt geholfen, viele sind inzwischen erwachsen: Der Gynäkologe Klaus Vetter hat 21 Jahre lang die Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln geleitet. Am Samstag verabschiedete er sich.

Sein wissenschaftliches Interesse galt der Frage, wie man Risikoschwangere und kleinste Frühgeborene möglichst gut versorgen kann. Medizin rund um die Geburt, das ist für ihn Medizin im Doppelpack – für Mütter und Kinder. So engagierte sich Vetter nicht nur berufspolitisch, etwa als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Er mischte sich in ethische und politische Debatten ein. Seit 2009 arbeitet er als Experte für vorgeburtliche Untersuchungen und Risikoabklärungen in der Gendiagnostik-Kommission des Robert-Koch-Instituts. Im Netzwerk „Junge Familien“ des Bundesministeriums für Ernährung wirkte er an Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern mit.

Zuletzt bezog der Geburtshelfer Stellung im Streit um Babyklappen und „anonyme Geburt“, die die Bundesfamilienministerin durch die „vertrauliche Geburt“ ersetzen möchte. Frauen, die ihren Namen nicht preisgeben wollen, sollten weiter in den Kliniken sicher entbinden können, meint er. Sonst nehme man einigen Kindern jede Lebenschance. „Wir weisen keine Frau ab, die eine anonyme Geburt wünscht“, sagt Vetter. Oft fasse die Mutter während der Geburt Vertrauen, so dass sie den Schatten der Anonymität nicht mehr braucht: „Im besten Fall wird daraus eine ‚normale’ Geburt mit vollkommener Akzeptanz des Kindes.“ Ohne beharrliche Überzeugungsarbeit und viel Einfühlungsvermögen ist das nicht denkbar. Klaus Vetter traut man es zu. aml

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