Wissen : Gefährlicher Blutpfropf

Pille gegen Thrombosen für Zukunftspreis nominiert

Ralf Nestler

Eine Pille gegen Thrombose, ein Herzschrittmacher, der seine Daten via Mobilfunk zum Arzt schickt und winzige Wachskugeln, die energiefressende Klimaanlagen entlasten sollen. Das sind die drei Erfindungen, die es bis in die Endrunde um den Zukunftspreis des Deutschen Bundespräsidenten geschafft haben. Am gestrigen Dienstag wurden die drei Forscherteams vorgestellt.

Die Gruppe um Frank Misselwitz vom Pharmakonzern Bayer war wesentlich an der Entwicklung des Wirkstoffs Rivaroxaban beteiligt, der in Form des Medikaments „Xarelto“ gegen Thrombose eingesetzt wird. Die Gefahr, die von Blutgerinnseln ausgeht, ist beträchtlich. Nach Angaben der Forscher sterben in der westlichen Welt mehr als doppelt so viele Menschen an einer Thrombose als an Brustkrebs, Prostatakrebs, HIV und Aids zusammen.

Vor allem nach großen Operationen ist das Risiko erhöht, da bei einem chirurgischen Eingriff Blutgefäße verletzt werden und der Körper die Blutgerinnung verbessert. Deshalb bekommen Patienten bisher Heparin gespritzt. Rivaroxan kann bequem als Tablette eingenommen werden und wirkt gezielt auf das Enzym namens Faktor Xa. Dieses Molekül ist Teil einer Wirkungskette, an deren Ende Blutgerinnsel entstehen. Das neue Medikament führt dazu, dass eine überschießende Blutgerinnung verhindert wird, der Mechanismus an sich aber intakt bleibt, um etwa den Wundverschluss nach OPs zu unterstützen.

Ebenfalls aus dem Gesundheitsmarkt kommt die Entwicklung von Hans-Jürgen Wildau von der Berliner Firma Biotronik. Das System „Home Monitoring“ für Herzschrittmacher sendet täglich Daten des Patienten via Mobilfunk zum Arzt. Die Mediziner können Folgeerkrankungen wie Vorhofflimmern ohne deutliche Symptome schneller erkennen als bei den seltenen Kontrolluntersuchungen. Andererseits könnte mit der Technik bei Patienten ohne Auffälligkeiten die Zahl der Routinechecks verringert werden.

Das dritte Team sind Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft und des Chemiekonzerns BASF um Volker Wittwer. Sie schufen winzige Kugeln aus Spezialwachs, das einen Schmelzpunkt zwischen 21 und 26 Grad Celsius hat. Werden diese Mikrobälle Baustoffen zugesetzt, können sie das Raumklima verbessern. Tagsüber, wenn es warm wird, schmilzt das Wachs. Dieser Vorgang entzieht der Umgebung viel Wärme. Sobald es kühl wird, erstarren die Flüssigkeitslinsen und geben die gespeicherte Wärme zurück. Der „Micronal“-Wärmespeicher kann somit die energiehungrigen Klimaanlagen zumindest teilweise entlasten.

Welches Team den mit 250 000 Euro dotierten Preis erhält, entscheidet sich am 2. Dezember. Ralf Nestler

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