Gefährlicher Lungenkeim : Antikörper gegen Mers gefunden

Er war einer der ersten Mers-Patienten weltweit. Nun könnte er dabei helfen, die Epidemie einzudämmen. Denn aus seinem Blut haben Forscher einen wirksamen Antikörper isoliert. Unterdessen beendete Südkorea die vorsorgliche Quarantäne.

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Zwei Mitarbeiterinnen einer Klinik in Seoul.
Vorsichtig. Das angesehene Samsung Medical Center in Seoul war das Epicenter des Ausbruchs in Südkorea. Nun kehren auch dort die...Foto: AFP

Neun Monate lag einer der ersten Mers-Patienten weltweit isoliert auf der Intensivstation des Londoner St.-Thomas-Krankenhauses, mehr als 200 Tage übernahm eine Maschine für ihn das Atmen. Vergebens. Der 49-jährige Mann aus Qatar starb im Juni 2013. Dabei wehrte sich sein Immunsystem gegen das Mers-Virus, das eine schwere Lungenentzündung verursacht hatte. Seine B-Gedächtniszellen produzierten einen Antikörper, der es besiegen kann, berichten Forscher um Antonio Lanzavecchia von der Università della Svizzera italiana im Fachblatt „PNAS“. Das zeigen Blutproben, die Ärzte dem Mann fünf und acht Monate nach der Ansteckung entnahmen. Nur die Menge reichte nicht aus. Trotz seines tragischen Schicksals könnte der Qatari daher dabei helfen, künftige Mers-Ausbrüche einzudämmen.

Der Antikörper funktioniert auch als Nasenspray

Denn dank der B-Zellen in seinem Blut konnten die Forscher den Antikörper LCA60 isolieren und massenweise herstellen. Er bindet an ein Oberflächeneiweiß, das das Virus nutzt, um Körperzellen zu erkennen. Daher eigne sich der Antikörper zum einen als Therapie – bei Mäusen verringerte er die Viruslast in der Lunge um das 100- bis 1000fache. Die Tiere hatten durch die Behandlung weniger Symptome und Lungenschäden. Zum anderen könnte er als Postexpositionsprophylaxe für Kontaktpersonen und zur Vorbeugung einer Ansteckung dienen, schreiben die Forscher. Eine Infusion sei nicht unbedingt nötig, der Antikörper funktioniere auch als Nasenspray. Die Schweizer Firma Humabs BioMed entwickelt ihn nichtkommerziell weiter; er kann innerhalb weniger Monate am Menschen getestet werden. Im Labor konnte er drei Virenstämme unschädlich machen, auch jenen, der den Ausbruch in Südkorea verursachte.

In Südkorea liegen noch 12 Patienten im Krankenhaus

Dort gab es seit mehr als drei Wochen keinen neuen Fall mehr, teilten die Behörden am Montag mit. Die letzte von etwa 16 700 Kontaktpersonen konnte aus der Quarantäne entlassen werden. Es liegen jedoch nach wie vor zwölf Patienten im Krankenhaus, vier sind todkrank. In Südkorea hatten sich seit Mai insgesamt 186 Menschen mit Mers angesteckt, 36 sind verstorben. Dass sich das Virus dort derart verbreiten konnte, hatte laut WHO kulturelle Gründe. So sei es üblich, Spezialisten in mehreren Kliniken aufzusuchen. Außerdem übernehmen vor allem Angehörige die Pflege.

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